Buchmesse: Kindermedien-Rundgang

Buchmesse Halle 3 Mein erster Tag Frankfurter Buchmesse ist vorbei. Ich habe wie auch letztes Jahr gemerkt, dass ein Tag mir nicht ausreicht. Das ließ sich dieses Jahr aber leider nicht anders organisieren. Durch die Erfahrungen aus dem letzten Jahr habe ich mir aber feste Punkte gesetzt, was ich ich wirklich wollte. In erster Linie war ich gemeinsam mit meinem Ex-Mann mit dem Fokus auf Kinderbücher und Bildung für unser Familienblog unterwegs.

Ich hatte mir diverse Veranstaltungen herausgesucht, wobei mir von Anfang an klar war, dass die meisten davon ohne mich ablaufen würden. Dennoch wollte ich für mich wissen, wo was stattfindet. Am Ende blieb es dann bei zwei Veranstaltungen.

Praktischerweise fährt einer der Messebusse vom Parkhaus immer direkt zur Halle 3, vor die Tür der Halle mit den Kinder- und Jugendmedien also. Wir waren pünktlich zur Öffnung der Hallen vor Ort, es war noch angenehm leer (für Messeverhältnisse). Es gab tatsächlich noch Platz zum Schlendern. Um mehr als kleine Ausschnitte zu fotografieren, reichte es allerdings nicht mehr. Wir gingen zunächst sinnvoll in Schlagenlinien durch die Gänge. Ich mit meinem nicht vorhandenen Orientierungssinn immer mit der Gefahr, einen Stand in der einen Reihe zu betreten und auf der anderen Seite in der falschen Richtung wieder rauszulaufen und mich damit direkt zu verlaufen. Aber es ging gut.

Während wir so durch die Reihen liefen, Bücher betrachteten, anguckten, reinlasen, fielen mir verlagsübergreifend ein paar Dinge auf:

Der Trend geht zur deutlichen Geschlechtertrennung. Mädchenbücher sind gerne Pink und bunt leuchtend, Jungsbücher eher dunkel. Die Themen sind dann entsprechend unterschiedlich. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass Bücher, die sich generell an  alle Kinder richten, nicht mehr gewünscht sind. Bei Bilderbüchern geht das noch, aber ab Erstlesestufe ist das vorbei. Soll es da keine gemeinsamen Themen mehr geben? Ausgerechnet heute? Ja, es gab schon immer Bücher für Mädchen und Bücher für Jungen. Aber früher haben wir alle gemeinsam „Die drei ???“ gelesen. Heutzutage gibt es für Mädchen extra „Die drei !!!“ (was meine Tochter übrigens total blöd findet). Gleichzeitig ging mir das pink-rosa Übergewicht auch in der Gestaltung der Stände irgendwann auf die Nerven. Die Bücher mit der Zielgruppe Mädchen waren überwiegend präsenter positioniert, als die für Jungen. Und nein, ich glaube nicht, dass das daran liegt, dass ich Mutter einer Tochter bin und mir deshalb diese Bücher mehr ins Auge fielen. Denn ich habe irgendwann gezielt geguckt. Glauben die Verlage nicht mehr daran, dass es auch Jungen gibt, die gerne lesen? Es gibt bestimmt Studien (nein, ich google jetzt nicht) welche besagen, dass dem so ist. Also verschwendet man an Jungen auch gleich nicht mehr soviel Energie und damit Geld? Weil der Markt kleiner ist? Schade.

SachbücherWas ich gut fand, war, dass es offenbar auch einen Trend zum Sachbuch gibt. Diese Sachbücher werden bei unterschiedlichen Verlagen auch gut sichtbar präsentiert, direkt am Gang, wahrnehmbar auch für diejenigen, die gar nicht auf den Stand selbst gehen. Es gibt diverse Arten, sich Sachthemen zu widmen. Auch die „Was ist Was“-Bücher erfahren zum ersten Mal seit den 1960er Jahren eine komplette Neuauflage. Bisher sind 30 Bände, auch mit neuen Themen, fertig (Auch hier wieder Rosa beim Band Mode). Ich werde das im Familienblog noch näher aufgreifen. Hier soll es bei einem Überblick bleiben.

Noch etwas fiel mir auf. Ein Buch kann anscheinend nicht mehr für sich alleine stehen. Es muß immer gleich als Reihe ausgelegt werden und es müssen mindestens zwei  Bände gleichzeitig veröffentlicht werden. Klar, so sichert der Verlag sich direkt die Käufer. Schade, denn ich finde das hat auch einen Haken. Mindestens. Es geht oft auf Kosten des einzelnen Buches, das im ungünstigsten Fall auf Masse, denn auf „Klasse“ ausgelegt ist. Und wenn die Kinder an eine Reihe gebunden werden, können sie auch keine anderen Bücher lesen und entdecken, denn im Kinderleben findet ja auch noch anderes statt als nur Lesen. Schade besonders für die Kinder, die wenig lesen, diese Lesezeit dann stets mit derselben Buchreihe verbringen und dadurch so viele andersartige Geschichten und Welten verpassen. Nein, der Trend gefällt mir nur bedingt. Nichts gegen eine gute Serie, aber einiges gegen ein Hauptsache-Absatz-Produkt.

Mitten zwischen diesem ganzen übertriebenen Marketing, zwischen Pink und Buchserien, meist am Rande der Halle, waren dann die kleinen Verlage. Die, durch die sich der Besuch der größten Buchmesse der Welt lohnt. Die Verlage, deren Bücher nur sehr selten einen prominenten Platz in den Buchhandlungen finden, wenn, dann nur in kleinen Buchhandlungen, aber quasi nie bei den großen Ketten. Bereits am Tag vorher bekam mein ehemaliger Mann für unsere Tochter den wunderbaren Natur-Kinder-Atlas vom Glückschuh-Verlag als Rezensionsexemplar. Schon nach dem ersten Durchblättern erhält der unsere Empfehlung.

Paula und die WortschätzchenBei den kleinen Verlagen lassen sich Schätze finden. Liebevoll gestaltete Bilderbücher, wunderbar geschriebene Bücher für unterschiedlichste Altersklassen. Kleine Schätze, die wir für uns fotografiert haben, damit wir sie uns merken. Es wird schwer, daraus eine Kaufauswahl zu treffen. Der Wunsch, mit den Fotos zur Kindertagesstätte und zur Schule zu rennen, ist groß. In der Hoffnung, dass vielleicht das eine oder andere Buch dort gefällt und damit für viele Kinder zugänglich wird. Wir werden mit unserer Tochter am Sonntag noch genauer suchen und auswählen, was ihr Interesse weckt und auf der Wunschliste landet.

[Update 13.10.] Noch etwas macht die Runde: Alte Klassiker werden kindgerecht aufbereitet und als Bilder-Erstlese etc. Bücher veröffentlicht. Die Klassiker reichen dabei von zum Beispiel Shakespeares Sommernachtstraum bis Pinocchio, um nur zwei aus einer großen Auswahl bei diversen Verlagen zu nennen. [Ende Update]

Meine erste Veranstaltung wurde schließlich ein Vortrag von Till Weitendorf vom Oetinger Verlag zum Thema „Oetinger goes Digital“. Der Vortrag hatte einige interessante Aspekte, die ich noch gesondert zusammenfassen werde. Es ging um eBooks, Apps, Onilo und mehr. Ein Verlag, der gar nichts gegen die neuen Entwicklungen am Buchmarkt hat, sondern diese als Herausforderungen sieht, sich etwas Neues einfallen zu lassen. Gefällt mir.

Die andere Veranstaltung vom Verband Bildungsmedien, auf der ich war, gefiel mir weniger. Was weniger an der Veranstaltung, als an der Meinung zweier Teilnehmer der Podiumsdiskussion lag. Es ging um die Zukunft des Schulbuches. Diskutieren sollten Prof. Dr. Eva Matthes (Universität Augsburg), Wolf-Rüdiger Feldmann (Cornelsen Schulbuchverlage), Heiko Przyhodnik (Mitinitiator Schulbuch-o-mat) und André J. Spang (Lehrer Köln, Koordinator des „iPad-Projektes“ seiner Schule). Bei den beiden ersten Teilnehmern wurde schnell deutlich: Die Zukunft des Schulbuches liegt in der Vergangenheit. Nämlich in der Form, wie es schon ewig ist. Punkt. Leider fehlte André Spang dank den Unzuverlässigkeiten der Deutschen Bahn für den größten Teil, wodurch die Diskussion eher eine Beweihräucherung des eingefahrenen Systems war. Nach wenigen Minuten stellten sich nicht nur mir die Nackenhaare auf.

Anschließend hatte ich noch kurz die Ehre eines Plauschs mit Torsten Larbig, der als Lehrer natürlich eine ganz andere Sichtweise auf die vorangegangene Diskussion hatte, als ich als Mutter. Allerdings waren die Unterschiede in unserer Meinung darüber allerhöchstens gering.

Bevor wir uns noch weiter mit Schulbuchverlagen  und ihren Produkten auseinandersetzten, trafen wir noch auf eine weitere meiner Twitterbekanntschaften, auf Querdenkender, mit dem wir dann den Rest unseres Buchmesse-Tages verbrachten. Meine Meinung über Schulbuchverlage im Großen und Ganzen ist nach dieser Buchmesse nicht unbedingt besser, als sie es anhand mancher Schulbücher meiner Tochter war.

Was mir im Nachhinein auffällt: An vielen Ständen standen iPads. Hauptsächlich mit Apps zu Bilderbüchern. Ich hatte dieses Jahr nicht das Bedürfnis, da nähere Blicke draufzuwerfen. Sind für mich schon zu alltäglich, ich habe auch nichts für das Alter meiner Tochter entdeckt. Apps werden hauptsächlich für kleinere Kinder entwickelt, eben auf Bilderbuchbasis. Nein, gestern habe ich lieber nach Büchern gesucht. Apps suche ich mittlerweile im AppStore, dafür gehe ich nicht auf die Messe. Und eBooks sind halt Bücher in einer anderen Form. Was mich reizen würde, wäre dann allerdings eine Kombination. Ein Bundle Buch und eBook.  Gibt es wohl häufig bei Kein und Aber. Notiz: Morgen gucken.

Der Tag war anstrengend, das Highlight dieses Jahr war neben den kleinen Buchentdeckungen und den spontanen Treffen, etwas ganz anderes: meine Schuhe. Ja, Schuhe, in welchen man einen ganzen Tag auf einer Messe rumlaufen kann, ohne dass die Füße nach stundenlangem Laufen wehtun, ohne dass es irgendwo Blasen gibt, die sind einfach Gold wert 🙂

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