Die Angst vor der Bewerbung

Es ist soweit. Ich will mich bewerben. Und ich scheue zurück. Traue mich nicht an die Bewerbungen heran. Meinen Abschluß als Social Media Manager habe ich schon seit Ende letzten Jahres. Soweit, so gut. Es gab Gründe, mit der Stellensuche zu warten. Allem voran den, dass es Hoffnung gab, bei meinem aktuellen Arbeitgeber intern wechseln zu können. Raus aus der Tontechnik, rein ins Internet. Sozusagen. Denn ich habe ja nichts gegen meinen Arbeitgeber und will nicht deswegen den Job wechseln. Mein Problem sind die nicht planbaren Arbeitszeiten die zu 100% nicht mit der Kinderbetreuung vereinbar sind. Als Alleinerziehende kann ich in meinem Bereich nur arbeiten, weil ich eben doch nicht so richtig alleinerziehend bin und der Vater meiner Tochter nahezu jederzeit für sie da ist. Also habe ich erstmal abgewartet, ob sich zeitnah interne Möglichkeiten bieten. Aber freie Stellen sind auch hier mehr als rar.

Bevor ich mich bewerbe, wollte ich auch noch etwas anderes auf den Weg bringen: Meine Online-Reputation. Hier im NetLeben, im Familienblog, in den sozialen Netzwerken. Die Themensuche ist hier immer wieder Thema. Am Ende scheitere ich stets an dem, wovon das Leben einer berufstätigen Mutter manchmal so gar nichts läßt: Zeit. Schon gar nicht mit meinen Heute-so-morgen-so-und-übermorgen-wieder-ganz-anders-Arbeitszeiten. Mal kann ich etwas erarbeiten, NetLeben wirklich mit sinnvollem Inhalt bestücken. Und dann ist der Alltag wieder so vollgestopft, es passiert so viel, dass die Nacht ohnehin nur noch sechs Stunden hat und davon noch etwas abzuzweigen, wäre Blödsinn. Machbar sicher, aber ich wollte doch noch etwas länger durchhalten.
Ja, ich kann einiges, aber ich kann es nur in meiner Freizeit machen und davon habe ich eher gar keine. Wie soll ich da eine Reputation aufbauen? Schon das Schreiben eines Beitrages braucht eben Zeit. Selbst wenn ich vieles vorher im Kopf ausarbeite. Außerdem: Ich brauche immer etwas Sinnvolles, um richtig zu arbeiten. Die Gelegenheit, ein Thema konsequent und kontinuierlich zu verfolgen. Das habe ich im Alltag so nebenbei einfach nicht. Das ärgert mich. Das nervt mich.

Und jetzt sitze ich da, will eine Bewerbung schreiben und traue mich nicht. Ja, ich bin in der luxuriösen Position, dass ich einen Arbeitsplatz habe, ich kann mir dreimal überlegen, ob ich mich auf irgendeine Stelle bewerbe. Ich kann die Angebote auswählen. Auch wenn mir innerlich die Zeit weg rennt. Wenn der Punkt nicht wäre, würde ich es wohl noch weniger angehen. Denn Unsicherheit macht sich breit. Was schreibe ich? Wie schreibe ich? Wann habe ich überhaupt mal eine Bewerbung geschrieben? Nicht mal meinen jetzigen Job habe ich über eine klassische Bewerbung bekommen. Doch, halt. Da war mal was. Vor vier Jahren. So etwas halboffizielles, als der Vorstellungstermin schon feststand, noch formal eine Bewerbung hinterher.
Alles andere war im letzten Jahrhundert.
Hoppla, so alt bin ich schon? Wer soll mich da noch nehmen? Ja, gut, ich habe noch viele Berufsjahre vor mir, bin neugierig genug, mich auf Neues einzulassen, flexibel genug, mich noch einmal  komplett umzustellen. Ja, ich würde mich sogar auf Veränderungen, auf die sogenannten neuen Herausforderungen  freuen. Aber kann ich das rüberbringen? In einem Anschreiben klar machen? Oder steht da im Vordergrund, dass ich kein Hochschulstudium habe, meine Fähigkeiten sich nicht durch ein Arbeits-Zeugnis in dem speziellen Bereich nachweisen lassen (sondern nur im tontechnischen)? Dass ich über 40, geschieden und Mutter bin?

All das geht mir gerade durch den Kopf. Stiehlt mir die Zeit, die so rar ist und die ich brauche, um Bewerbungen zu schreiben, sie auszuarbeiten. Ja, ich bin unsicher. Mache mir jede Menge Gedanken. Lese mich durch die Karrierebibel (mal wieder) und merke: Am Ende bleibt mir nur eines – So zu schreiben wie ich bin. Meine Angst zu überwinden und einfach machen. Sonst wird das ja nie was.

Und das ist jetzt mein persönlicher Tritt, endlich die Dinge anzufangen, die wichtig sind. 

3 Kommentare

  1. Natürlich sind diese Gefühle ganz normal 🙂 Viele, die ernsthaft einen neuen Arbeitsplatz suchen, werden das kennen.
    Nur sagt das selten jemand laut. Aber so gerade der Anfang ist halt schwer, finde ich. Auch wenn es bei mir ausschließlich persönliche Gründe hat, mir etwas Neues zu suchen. Hat was von Prüfung und ich habe nach wie vor Prüfungsangst 😉

  2. Darf ich mich zu Euch gesellen ? Auch wenn meine Lebensumstände wieder andere sind – frage ich mich auch schon, wie ich meinen Abschluß (wenn ich ihn denn dann mal haben werde) umsetze. Ich weiß, ich will meinen jetzigen Job nicht noch weitere 20 Jahre so machen. Aber mit über 40? Bewerben in einem Gebiet, in dem ich bisher nur „privat“ aufgetaucht bin? Ui ui ui …
    Sisa, wahrscheinlich hast Du recht. Diese Gefühle sind ganz normal … und wenigstens ist keine von uns alleine damit. Dann mal ran … schau’n mer mal, wo wir in einem Jahr so stehen ?
    Liebe Grüße
    Frauke

  3. Hallo Anja,
    ich war echt überrascht, einiges in deinem Beitrag von mir selbst zu finden. Auch wenn wir nur den gleichen Ausgangspunkt – das Bewerben wollen (und innerlich kneifen) haben und meine Backround (mir fehlt auch noch der Abschluss :-() ein ganz anderer ist: Unter dem Strich kommen doch die gleichen Ängste und Probleme raus.

    Bei dir darüber zu lesen hilft mir schon etwas gegen die eigenen Unsicherheit – weil dann kann es nicht nur an mir alleine liegen und es besteht die Chance, dass diese Gefühle ganz normal sind.

    Und mal ganz Ehrlich: WIR SCHAFFEN DAS!