Die Ruhe des Meeres

Mittelmeer bei BenalmadenaIch hatte noch das Urlaubs-Rauschen des Mittelmeeres bei Benalmádena im Ohr, als mir die #Meerparade von Johannes Korten in meine Timeline gespült wurde. Die Blogparaden-Welle traf mich mitten ins Herz. Meine Sehnsucht spiegelte sich darin wieder. Die Sehnsucht nach dem Meeresrauschen, der Meeresluft und nach so viel mehr.

Das Meer war mir schon immer nah. Viel näher als die Berge. Klar, ich bin in Hamburg aufgewachsen, da waren wir deutlich schneller an der Ost- oder auch Nordsee, als in den Bergen. Aber auch innerlich war das schon immer so. Unsere Urlaube wurden überwiegend entweder auf Gran Canaria oder in Österreich, in Krakauschatten verbracht. Ersteres bedeutet Meer und Schwimmen, zweiteres Berge und Wandern. Ja, auch auf dem Preberhof haben wir schöne Urlaube verbracht, ich habe viele positive Erinnerungen daran. Aber wirklich wohl gefühlt habe ich mich in den Bergen nie.

Ich bin ein Mensch, der sehr viel denkt. Zu viel, meinen nahezu alle, die mich kennen. Mein Gehirn hält eigentlich nie seine Klappe. Außer in Gesellschaft meines Pferdes, das leider schon seit drei Jahren nicht mehr lebt, oder eben am Meer. Wobei Klappe halten da auch nicht ganz richtig ist. Aber die Gedanken sind mal gewillt, einzeln durch meinen Kopf zu eilen. In Kürze und vereinfacht ausgedrückt.

Von Hamburg aus sind Ostsee und Nordsee relativ schnell erreichbar. Das vermisse ich hier in Hessen unendlich. Die Möglichkeit, mich spontan ins Auto zu setzen und ans Meer zu fahren. An die See. Die eine oder die andere. Je nach Laune, Bedürfnissen oder zur Verfügung stehender Zeit. Häufig zog es mich an die Nordsee. Gerade im Herbst. Denn selten fuhr ich los, um schwimmen zu gehen, quasi nie, um mich an den Strand zu legen. Nein, einfach nur am Strand rumliegen war und ist nicht meine Welt. Ich setze mich höchstens mal hin, richte meinen Blick auf das Wasser und genieße den Moment. Ich mag den Sandstrand. Mit Kies kann ich wenig anfangen. Das schmerzt so unter den nackten Füßen, wenn ich am Meeresrand entlanglaufe. Aber ich schweife ab. Das Meer trägt einen manchmal so schnell davon.

Die Nordsee. Für mich der ideale Ort, wenn mein Kopf mich mal wieder rasend macht. Fast immer weht da der Wind. Der Wind, welcher den Kopf freipustet, die Gedanken aufklärt, sie wie die Wolken vor sich hertreibt. (Ja, Wind haben wir hier im Untertaunus auch, aber dem fehlt so viel. Der nervt nur. Er liefert keine Meeresluft, überhaupt keine frische Luft. Damit vertreibt er auch nichts.)
Viele Stunden konnte ich früher an der See entlanglaufen. Ganz für mich alleine. So, wie ich es so gerne mag. Ich brauche an der Nordsee keine Gesellschaft, das Meer ist mir genug. Sein Rauschen, seine Luft, seine Atmosphäre.

Die Ostsee. Eher was für die Sonnenstunden in meinem Leben. Wenn der Kopf nicht ganz so anstrengend ist. Zum gemütlichen entlangschlendern, auch mal in Gesellschaft, zum Plaudern. Im Sommer zum Baden.
Welch unterschiedliche Gefühle diese beiden Meere Deutschlands doch so auslösen. Welch unterschiedliche Sehnsüchte und Bedürfnisse sie doch zu stillen vermögen. Die Wellen, Ebbe und Strömung tragen so vieles mit sich davon. Die Brandung übertönt die inneren Turbulenzen und ist dennoch so gleichmäßig, dass sich der menschliche Rythmus einfach dahinein ergibt. Egal wie unruhig die See vielleicht auch sein mag.

Auch im Urlaub zieht es mich ans Meer. Meist in südliche Gefilde, wo ich mir des schönen Wetters sicherer bin. Gut ein Jahrzehnt war ein Urlaub aus finanziellen Gründen gar nicht möglich. Ich hatte schließlich ein Pferd. Und eine Kiesgrube zum Baden, die Alster zum Fahrradfahren, Nord- und Ostsee auch in der Nähe. Jetzt habe ich gar nichts mehr davon. Wenn ich mit meiner Tochter meine Eltern besuche, was immer noch meist der einzig mögliche Urlaub ist, dann versteht es sich von selbst, dass wir wenigstens an die Ostsee fahren. Töchterchen liebt es, im Meer zu plantschen (zum Schwimmen ist sie noch nicht sicher genug). Wenn Opa oder Oma mitkommen, kann ich mir auch ein wenig Zeit zum Wandern am Strand gönnen.

Ja, ich liebe das Meer. Sei es Ostsee, Nordsee, Mittelmeer oder Atlantik. Beim Atlantik besonders die Wellen. Stundenlang kann ich an der Küste stehen und mich in die Wellen stürzen. Das Meer macht mich ruhig. Egal wie laut das Meeresrauschen ist, es ist ein ganz anderer Lärm, als der, den wir Menschen so veruraschen. Wie ich im Urlaub feststellte: Auch wenn das Meeresrauschen so laut wie das Straßenrauschen ist, das Meer rauscht mich in den Schlaf, der Straßenverkehr hält mich davon ab. Das Meer nimmt die alltägliche Reizüberflutung einfach mit seinen Wellen mit.

Strand und Meer auf Helgoland

 

Am Meer kann ich zur Ruhe kommen, durchatmen, die Gedanken klären. Auch bei Töchterchen kann ich das beobachten. Sie kann sich stundenlang im Wasser aufhalten. Mit dem am Strand langwandern hat sie es allerdings noch nicht so, das funktioniert nur in kurzen Zeiträumen. Und nur, wenn sie die Füße dabei im Wasser hat. Besonders gut tut es ihr, auf dem Wasser zu sein. Sitzt sie in einem Boot, einer Fähre, einem Katamaran, wird sie ruhig. Kaum ein Wort ist dann aus meiner kleinen Plappertasche noch herauszubekommen. Sie sitzt oder steht an der Reeling oder was auch immer, blickt auf das Wasser und hängt ihren Gedanken nach. Das funktioniert auch schon ohne Meer, bei einer Alsterrundfahrt zum Beispiel. Die Ruhe des Wassers wirkt Wunder auf sie. Und auf mich. Bei Wellengang reagieren wir allerdings etwas unterschiedlich…

Jetzt sitze ich wieder über Monate weit weg von jedem Meer. Unerreichbar sind alle Meere bis zu den Osterferien. Dann geht es bestimmt wieder Opa in Bad Segeberg und Oma in Hamburg besuchen. Und wenn das Wetter nicht allzu gemein ist, fahren wir auch einen Tag an die See. Wahrscheinlich die Ostsee, die ist von Segeberg aus ja schon fast um die Ecke. Bis dahin hänge ich meinen Sehnsüchten nach (und trage die Kämpfe mit meinem Kopf ohne die Hilfe der Meere aus – aber vielleicht hält der sich ja auch einfach mal zurück, wer weiß das schon). Dieses Jahr konnte ich das Meer ja häufig genießen. Die Nordsee vor allem auf Helgoland, die Ostsee in den Tagen danach und jetzt auch noch das Mittelmeer.

Eines Tages werde ich meinen Wohnort wieder ändern können. Ich weiß, es wird Richtung Norddeutschland sein. Nach Hamburg. Oder in die Nähe. Die Nähe meines Zuhauses und die Nähe des Meeres.

Segelboot vor Mallorca

3 Kommentare

  1. Diese Sehnsucht ist so vertraut. Hach. Danke für den schönen Text zur Meerparade.

  2. Pingback: meer | isla volante

  3. Ein schöner Beitrag zur Meeres-Blogparade, bei dem ich oft genickt habe. Ich wünsche Dir gutes Durchhaltevermögen, bis Du dem Meer geografisch wieder näherrücken kannst.