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Fokus Kindersuchmaschinen: Blinde Kuh

Startseite Blinde KuhBlinde Kuh ist die wohl älteste deutsche Suchmaschine für Kinder. 1997 wurde sie von Birgit Bachmann als ehrenamtliches Projekt ins Leben gerufen. Blinde Kuh wird seit 2004 vom Bundesfamilienministerium gefördert. Inzwischen ist Blinde Kuh als gemeinnütziger Verein eingetragen.

Die Suche

findet sich ganz oben, in einem kleinen gelben Frame. Was die ankreuzbare Option „sortiert für Kids“ zu bedeuten hat, erschließt sich leider nicht so einfach. Bei einer Kindersuchmaschine erwarte ich doch, dass sie Ergebnisse „für Kids“ liefert. Irgendwo habe ich dann mal gefunden, dass die Suchergebnisse dann für die jüngeren Kinder angepaßt aufgelistet werden. Eine Altersangabe war auch dabei. Leider finde ich genau diese Information aber nicht wieder. Ich fand die Suche selbst auf der Seite nicht sonderlich gut eingebunden, dieses kleine gelbe, frei rumfliegende Kästchen. Aber immerhin ganz oben. Tochter aber wußte sofort, wo sie suchen muß. Gut.

Also auf zu den Suchbegriffen.

Warum fällt das Brot immer auf die Butterseite liefert genau – na? Null Ergebnisse. Man bekommt auf der Seite erklärt, woran es liegen könnte, dass die Blinde Kuh nichts finden konnte. Falsche Rechtschreibung? Andere Worte? Nicht vorhanden (also nur Ergebnisse, die nicht für 6-14 jährige Kinder geeignet sind). Vorausgesetzt, man hat nicht „sortiert für Kids“ angeklickt. Dann erhält Kind keine Erklärungen, nur die Bilder, die auch auf der Startseite zu finden sind. Macht einen gewissen Sinn, weil die Menge Text mit den möglichen Fehlern bei der Suchtexteingabe kleinere Kinder schlicht erschlagen würde. Andererseits suchen jüngere Kinder meist aber auch mit ihren Eltern, die können mit dem Text einiges anfangen.

Neben dem Suchfenster erscheint bei beiden Suchoptionen ein kleiner, dunkelrot umrahmter Tipp: Versuche es einmal mit anderen Worten. Das bringt Töchterchen auf die Idee, es doch statt mit „Butterseite“ mal mit „geschmierte Seite“ oder „Marmeladenseite“ zu versuchen. Hilft aber beides nichts. Wir bekommen nicht ein einziges Ergebnis.

Also reduzieren wir die Suche auf Brot fällt. Wieder ergebnislos. Brot Butter ergibt immerhin 12 Seiten im Ergebnis. Jedoch nicht das Gesuchte. Aber wer hätte das bei der Wortkombination auch ernsthaft erwartet? Von den 12 Treffern sind 10 Rezepte.

Also versuchen wir es mit Einzelwörten.

Letztlich dem Gegenteil von dem, was einem geraten wird, nämlich durch die Eingabe mehrerer Wörter ein besseres Ergebnis zu erzielen.

Brot

Da rechnen wir mit vielen Ergebnissen. Und fragen uns, ob wir eine Chance haben, dass eine Antwort auf unsere Ursprungsfrage dabei ist. Tochter schwankt zwischen Forschungsdrang und Aufgeben. Wir bekommen 59 bzw. 62 Links mit dem Wort „Brot“. Wir gucken alle kurz durch, schön wie Blinde Kuh hier immer ein Bild von der Ergebnisseite mit anzeigt (sofern eines vorhanden ist). Aber, nun ja, es sind wieder viele Rezepte dabei und keine Antwort auf unsere Frage.

Blinde Kuh Brot

Butter

liefert sogar 140 Ergebnisse. Aber: Ab Seite 2 nur noch Rezepte. Wenn man also ein Rezept mit Butter suchen sollte, sollte man besser noch eine zweite Zutat mit bei der Suche eingeben. Nebenentdeckung: In der Browsertitelzeile steht 140 Treffer in 0.1952 Sekunden. Angezeigt werden aber nur 10 Seiten mit je 10 Suchergebnissen. Wo die anderen wohl hin sind und wie ich die noch zu Gesicht bekommen könnte? Klar, kaum ein Kind wird die Ausdauer haben, wirklich alle Ergebnisseiten durchzublättern. Butterseite gibt keine Treffer.

Die Wörter mit Rechtschreibfehlern probiere ich auch noch aus.

Mit Brod, Broht, Butta, Buta findet Blinde Kuh nichts. Tippt man allerdings Bot ein, korrigiert die Suchmaschine das zu Boot und zeigt 95 Ergebnisse. Hilft uns auch nicht. Zuletzt muß noch Murphy ran. Und tatsächlich: Es gibt einen Treffer. Aber der führt zu einer Was ist Was Seite über Samuel Beckett.

Wir müssen feststellen: Auf unsere weltbewegende Frage warum nun das Brot immer auf die Butterseite fällt, finden wir mit der Hilfe von Blinde Kuh keine Antwort. Da ist wohl keine Seite gespeichert, die diesen Inhalt bietet. Ich bin gespannt, ob die anderen Suchmaschinen für Kinder da weiter kommen.

Andere Suchbegriffe

Aber ich wollte ja noch gucken, was es zu den drei am häufigsten gesuchten Begriffen der DIJ Studie zu finden gibt. Fangen wir mit Hund an. Bei der Ergebnismenge von über 200 Treffern (271 steht in der Titelzeile) fällt mir sofort wieder der Tipp ein, den ich meiner Tochter als erstes geben würde: Such noch nach einem weiteren Wort zu deinem Thema. Also gleichzeitig nach zwei Begriffen. Schon weil Blinde Kuh grundsätzlich nicht mehr als 10 Seiten mit je 10 Ergebnissen anzeigt. Die meisten Ergebnisse fallen natürlich in die Kategorien Natur und Tiere. Mit der Mehrwortsuche wird es aber auch schwierig. Tippt man zusätzlich zu „Hund“ noch „Ball“ ein, gibt es prompt keine Ergebnisse, sucht man noch nach „Knochen“ kommt eine Was ist Was Seite mit der Frage „Wie viele Knochen besitzt ein Hund“. Leider findet Blinde Kuh auch zu „Hund Futter“ und „Hund frißt“ gar nichts. Dabei könnte genau das doch etwas sein, was Kinder im Rahmen des Sachkundeunterrichts herausfinden wollen. Alles gesucht ohne den Haken bei „sortiert für Kids“, also mit der größeren Ergebniswahrscheinlichkeit.

Gut, weiter mit Spiel. Uff. Über 2000 Ergebnisse. Wie soll Kind da das richtige finden? Aber man sieht auf einen Blick, dass es unglaublich viele Seiten mit Spielen gibt. Und sogar viele, die durch die Redaktion von Blinde Kuh kommen und somit kindgerecht und werbefrei sind.

Bleibt noch Sex. Blinde Kuh findet hierzu 41 Seiten. Da sind, wie ich finde, viele interessante Ergebnisse mit Antworten auf typische Kinderfragen dabei.

Darstellung der Suchergebnisse

Die Suchergebnisse werden auf den ersten Blick übersichtlich dargestellt. Eins unter dem anderen, mit Überschrift, Textauszug und sofern vorhanden auch mit Bild. Das ist der erste Blick. Guckt man sich die Ergebnisse jedoch mal genauer an, kann man noch viel mehr über die einzelnen Ergebnisse erfahren. Denn oben über den weißen Kästen mit den Texten gibt es grüne und hellblaue Reiter. Die Grünen auf der linken Seite ordnen das Ergebnis einer Kategorie zu, die hellblauen oben rechts zeigen die Seite. Links am Rand des Ergebnisses wird mit einem Kartenicon und einer Flagge noch gezeigt, aus welchem Land die Seite kommt. Duetschland, Österreich, Schweiz… Darunter teilweise noch ein Icon mit dem Logo der Seite. Manche Ergebnisse sind noch als „BK Tipp“ gekennzeichnet. Rechts unten ist dann noch eine empfohlene Altersangabe in Form von S, M, L und XL angegeben. Wie genau die Altersklassen eingeteilt sind, wird aber  nicht erläutert. Schade in diesem Zusammenhang auch, dass man dann nicht mit Klick auf eine der Einstufungen nur entsprechende Ergebnisse auswählen kann.

Blinde Kuh Details

Am rechten Rand neben den Suchergebnissen findet sich auch noch das eine oder andere. Auf jeden Fall immer „Mögliche Bereiche“, zum Teil mit Prozentangaben. In welche Kategorien können die Ergebnisse eingeordnet werden? Diese Anzeige erschließt sich mir allerdings nicht so recht. Beim Suchwort Brot haben die ersten Ergebnisse oben in den Reitern zum Beispiel „Mensch“ und „Ernährung“ stehen. Mögliche Bereiche sind jedoch nur „Rezepte“ und „Ernährung“. Auswählen läßt sich davon auch keines. Den Sinn verstehe ich also nicht. Bei der Suche nach Spiel werden in der rechten Spalte (Sidebar wäre bei Blinde Kuh als Begriff noch nicht passend) noch ein paar Vorschläge von Seiten angezeigt, oder auch der Link auf die Blinde Kuh Spielkiste.

Design und Aufteilung der Seite

Blinde Kuh wird zwar vom Bundesfamilienministerium unterstützt, wird aber dennoch ehrenamtlich betrieben. Und sie ist in ihren Grundzügen schon ein Dinosaurier, so lange gibt es sie schon. Das mal eben umzubauen wäre ein Riesenaufwand. Diese Bemerkungen möchte ich vorweg schicken.

Denn die Optik überzeugt mich gar nicht mehr. Sie wirkt wirklich noch wie aus dem letzten Jahrhundert und entspricht nicht mehr den aktuellen Gewohnheiten. Es ist eine Kraut- und Rüben-Darstellung. Aber: Sie ist funktional und auch auf dem iPad (somit wohl auch auf anderen Tablets) zu nutzen. Mit dem Smartphone hat man jedoch verloren. Nun hat die Blinde Kuh Zielgruppe allerdings doch noch eher selten ein Smartphone mit vollem Internetzugang.

Blinde Kuh Suchmaske
Ich werde jetzt nicht die Darstellung der Kindersuchmaschinen im Einzelnen erläutern, da kann sich jeder selbst mit einem Klick einen Eindruck verschaffen. Das sprengt selbst im Fokus den Rahmen. Ich habe zugegebener Maßen mit Blinde Kuh leichte Probleme. Mir ist das zu viel. Da muß man zu sehr suchen, um zu finden, was es eigentlich gibt. Einige internen Links sind (mittlwerweile?) inaktiv. Man würde vermuten, dass man etwas anklicken kann und es passiert nichts. Im Frame der Suche befinden sich scheinbar weitere Erklärungen. Aktiv sind aber nur „Wie funktioniert eine Suchmaschine“ und „Rechnen“. Das finde ich alles ziemlich irritierend.

Gut sind die Klick-Bilder für die Jüngeren, wenn sich schon nicht lesen-könnende Kinder bei Blinde Kuh aufhalten sollten.

Was bietet Blinde Kuh außer der Suche?

Die Antwort lautet zusammengefaßt: Viel. Ganz viel. Aber das muß man finden. Manches ist gut zu finden, weil es im Hauptrahmen mit Bildern dargestellt ist. Aktuelle Tipps findet Kind hier, weiter unten zum Beispiel noch Surftipps. Links ist noch eine unterteilte Navigationsleiste. Hier gibt es auch einen Bereich Sicherheit. Und da stehen wirklich wichtige Informationen für Kinder im Internet drin. Gut aufbereitet. Die wären wichtig, nochmal sichtbarer, also augenfälliger dargestellt zu werden.

Wirklich. Blinde Kuh hat viel zu bieten, verlinkt viel auch ohne Suche. Aber es ist so viel, dass man Zeit braucht, die Seite zu erforschen. Vieles wird dem Kind dabei sicher entgehen, im Zweifelsfall auch das eine oder andere, was wirklich hilfreich und nützlich wäre. Oder was wirklich einfach mal nur Spaß macht. Zu uneinheitlich ist die Seite gestaltet, zu kleinteilig, das Auge weiß gar nicht, wo es gucken soll. In Ansätzen ist eine – nennen wir es mal modernere – Gestaltung vorhanden, aber der Grundaufbau ist mittlerweile vollkommen überfrachtet und unsortiert. Obwohl es klar abgesteckte Bereiche gibt. Aber wie gesagt: Blinde Kuh wird ehrenamtlich betrieben. Und der Inhalt, der Wert für Kinder ist enorm.

Wie lautet das Kinderurteil?

Töchterchen hat das Suchfeld sofort gefunden. Bei einer Suchmaschine ja schon mal wichtig. Die ergebnislose Suche frustrierte allerdings. Überhaupt  war sie mit der Ansicht der Seite ziemlich überfordert. Gut, der zentrale Punkt mit der Suche war okay, das würde sie wieder ausprobieren, meint sie. Aber den Rest hat sie kurz versucht und dann sehr schnell aufgegeben „Mama, wie soll ich denn da verstehen, was was ist?“ Wohlgemerkt, sie ist 8, kann lesen (wenn sie will) und neigt eher dazu, Dinge schnell zu überblicken und zu verstehen. Nein, in der Hinsicht fiel Blinde Kuh bei ihr direkt durch. Als Suchmaschine ja, aber ansonsten ist sie regelrecht geflüchtet, auch Nachfragen halfen da wenig.

Zusammenfassung

Mit Blinde Kuh bekommen wir auf die Frage „Warum fällt das Brot immer auf die Butterseite“ keine Antwort. In keiner der ausprobierten Suchwortzusammensetzungen. Auf keiner der bei  Blinde Kuh gelisteten Seiten scheint es unsere Information zu geben. Für meine Tochter ist das frustrierend. Wozu braucht man das dann? Gut, dass man ansonsten vieles findet, was man sucht.Die Aufbereitung der Suchergebnisse bietet viele Informationen zur Art des Ergebnisses, ohne dass man die gefundene Seite selbst suchen muß.

Optisch ist Blinde Kuh mittlerweile nicht mehr zeitgemäß. Die Inhalte sind jedoch sehr umfangreich, auch die Angebote neben der Suche. Ganz wichtig auch die Informationen an die Kinder über Sicherheit im Internet. Schade, dass die ein wenig in der unauffälligen Navigationsleiste untergehen. Denn da gibt es viel über Medienkompetenz zu lernen. Das lernt man ja meist nicht in der Schule und oft auch nicht von den Eltern.

Oft ist es etwas unübersichtlich, wenn man sich in einem Bereich bewegt, ob es sich bei dem Link um einen zu einer externen Seite handelt, oder ob es ein Angebot von Blinde Kuh selbst ist. Davon gibt es nämlich auch einige. Wünschenswert wäre es sicher, wenn Blinde Kuh nicht mehr ein zusammengestricktes Sammelsurium, sondern eine einheitliche Seite wäre. Nicht Inhalte doppelt und dreifach auf verschiedene Arten auflisten, weniger ist da echt mehr. Das meine ich vor allem für die Darstellung der Startseite, sämtliche Unterseiten werden sich kaum noch anpassen lassen. Jedoch schon eine übersichtlichere Darstellung der Startseite würde auch für Kinder die Nutzerfreundlichkeit enorm erhöhen. Aber dafür wird für das ehrenamtlich über Jahre gewachsene Angebot schlicht die Zeit fehlen.

Abschließend die Links zu den anderen Beiträgen des NetLeben-Fokus Kindersuchmaschinen:

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