Gedanken zum WhatsApp-Theater

(Achtung. Dieses ist ein subjektiver, spontaner Beitrag. Er kann durchaus leichte Spuren von Ironie enthalten)

WhatsApp, die App, mit welcher man munter Kurznachrichten hin- und her schicken kann. Mit Gruppenfunktion. Der Hype bei Jugendlichen. Läuft Facebook den Rang ab. Kostenlos. Äh, nee, Moment. Kostenlos? Da gab es den ersten Aufschrei, damals. Als WhatsApp sagenhafte 89 Cent pro Jahr für die Nutzung des Dienstes haben wollte. Also quasi soviel, wie man vor WhatsApp noch für 2-3 sms gezahlt hatte.

Ja, genau. Die Nutzer regten sich über weniger als 1 € Kosten pro Jahr auf. Nicht etwa darüber, wie WhatsApp mit den eigenen Daten umging. Was die App alles so an Berechtigungen einfordert. Aber das ist in unserem Land ja normal. Das mit dem Nicht-Aufregen über das Ausspioniert werden. Man hat ja nichts zu verbergen. Kurze Aufregung also um die Kosten, Schulterzucken, Weiternutzen. Millionenfach. Ach ja und dann war da doch mal was, das WhatsApp gehackt wurde, oder? Wieder großes Theater. Kurzes Aufregen, kurze Panik, Schulterzucken, Weiternutzen.

Und ich? Mich interessierte das alles nicht. Ich habe WhatsApp einfach ignoriert. Freundlicherweise war es auf meinem Sony Xperia Active zwar vorinstalliert, wollte sich aber partout nicht überreden lassen, mich mitspielen zu lassen. Gut, war mir recht. Lieferte mir eine einfache Ausrede, WhatsApp nicht zu nutzen. Ich sah weder den Sinn für mich, noch hatte ich ernsthaft Interesse daran, noch jemandem meine Daten auszuhändigen. Gerade bei Apps, welche (sogar offiziell) Zugriff auf meine Kontakte wollen, bin ich zurückhaltend.

Gut, kurzfristig landete WhatsApp jetzt auf meinem neuen iPhone. Doch mal angucken, ob es vielleicht an einer Stelle Sinn macht. Ich hatte wenig Hoffnung, mit Threema als Alternative weiterzukommen. Kaum hatte ich WhatsApp installiert, kam plötzlich Der Westen mit einem Artikel über „WhatsApp die Super-Wanze“. Hoppla, was war da plötzlich los im Netz. Welch Überraschung! WhatsApp spioniert aus! Nein, wer hätte das gedacht? Vielleicht schürt WAZ da doch etwas sehr das Feuer… Auf jeden Fall machten sich plötzlich sehr viel mehr Leute Gedanken, statt WhatsApp einfach nur so zu nutzen. Wahrscheinlich würde sich allerdings auch die Aufregung wieder legen, es würde mit Schulterzucken und Weiternutzen enden.

Wenn dann nicht heute Nacht die Nachricht schlechthin gekommen wäre: Facebook kauft WhatsApp (Presseschau und -Zusammenfassung bei allfacebook.de). Das böse, böse Facebook! Was nun? Damit ist WhatsApp ja plötzlich vollkommen umnutzbar (sagen vor allem viele auf Facebook). Hilfe!
Ich hatte gestern Abend schon mit Twitter abgeschlossen und wurde heute Morgen dann von meiner Timeline fast erschlagen. Nach ungefähr dem 50. Tweet „Facebook kauft WhatsApp für 16/19 Milliarden Dollar“, klappte ich meine Timeline wieder zu und beschloss, sie erst sehr viel später wieder zu öffnen. Bei Facebook sah es natürlich ähnlich aus. Wobei sich die Qualität der Auseinandersetzung mit dem Thema wie immer unterschied.

Was ich an der ganzen Aufregung jedoch sehr gut finde: Plötzlich werden viele Menschen auf die Datenschutzproblematik bei WhatsApp aufmerksam und denken über Alternativen nach. Auch bei Stern.de erschien ein Artikel dazu, der sich mit meiner persönlichen Lösung Threema beschäftigt. Threema verlangt nicht automatisch Zugriff auf die eigenen Kontakte. Man kann sie freigeben, muß aber nicht. Jeder User bekommt eine ID, welche er weiterverteilen kann. Ganz ohne seine oder anderer Leute Telefonnummern preiszugeben. Noch dazu läuft die Kommunikation komplett verschlüsselt ab. Ich meine, vielleicht gibt es ja doch den einen oder anderen, der meint, er hätte etwas zu verbergen? Oder denkt daran, dass derjenige, mit dem er gerade spricht, vielleicht nicht durch noch einen weiteren Dienst abgehört werden möchte? Jetzt, wo auch das böse – natürlich von niemandem wirklich genutzte – Facebook im Spiel ist?

Wer mag, wen ich kenne, dem gebe ich gerne meine Threema ID. Ach ja, Threema kostet auch Geld. Die iOS Version 1,79€. Das ist natürlich wirklich eine enorme Investition. Wenn es außer einem selber kaum jemand nutzt, vielleicht sogar wirklich. Aber seit heute werden es schlagartig immer mehr Leute, die Threema nutzen (dass ich es auch erst gestern installiert habe, liegt schlicht an der Neuheit meines iPhones). Die kurze Phase, in welcher man mich per WhatsApp finden konnte, ist auf jeden Fall vorbei, seitdem ich jetzt beide dort genutzten Kontakte auch über Threema erreicht.
Kleiner spannender Nebeneffekt bei Threema: Vielleicht ist es ein Anlass, sich auch mal wieder persönlich zu treffen. Denn die höchste Vertrauensstufe zu einem Kontakt erreicht man nur, wenn man gegenseitig seinen Threema QR Code scannt. Der Beweis, dass man sich tatsächlich nicht nur per Zufall oder virtuell, sondern eben auch von Angesicht zu Angesicht kennt.

Wer sich für Alternativen zu WhatsApp interessiert, der findet einen Überblick darüber zum Beispiel bei t3n.

Ein Kommentar

  1. Viele haben Sie sich nach der Übernahme durch Facebook, um Alternativen bemüht. Diese haben vor einige Zeit doch ein großes Hoch erlebt. Auf http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2014-02/29543374-internationaler-boom-fuer-whatsapp-alternativen-threema-und-telegram-016.htm gibt es dazu auch einen sehr interessanten Artikel. Ich selbst habe damals auch gewechselt, musste allerdings schnell feststellen, dass viele in meinem Freundeskreis nach und nach wieder nach Whatsapp gegangen sind. So ist es natürlich auch sehr schwierig auf Dauer auch über andere Messenger zu kommunizieren.