Gelesen: Social Media Marketing – Strategien für Twitter, Facebook & Co.

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Social Media Marketing – Strategien für Twitter, Facebook & Co. von Tamar Weinberg wurde für die dritte Auflage komplett überarbeitet und von Corina Pahrmann und Wibke Ladwig für den deutschsprachigen Raum angepaßt. Das heißt unter anderem, dass ein nicht unbeachtlicher Teil der geschilderten Beispiele von deutschen Firmen stammen. Tut dem Buch sehr gut, dieser Bezug zum „heimischen“ Markt. Und man sieht, dass Corina Pahrmann und Wibke Ladwig weit mehr beigetragen haben, als man normalerweise erwarten würde.

(Randnotiz: Es hat leider ewig gedauert, bis ich das Buch aus dem O’Reilly Verlag endlich richtig lesen konnte, aber jetzt vollende ich endlich diese schon im letzten Jahr begonnene Rezension.)

Zielgruppe
Liest man rein, fällt schnell auf, dass die Autorin(nen) ganz am Anfang anfangen. Von daher richtet sich Social Media Marketing – Strategien für Twitter, Facebook & Co. (warum muß der Titel eigentlich so lang sein?) an Interessierte und Einsteiger ins Social Media Marketing. Es hilft sicher auch erfahrenen Mitarbeitern dabei, dem vielleicht skeptischen Chef das Thema näher zu bringen. Für Menschen, die bereits über Erfahrungen mit den Netzwerken verfügen, die schon Bloggen usw. bietet sich eher weniger Neues. Für diese Zielgruppe gibt es den einen oder anderen Tipp, manch einer mag sich aber eher bei der Lektüre langweilen und den neuen Inhalt damit verpassen.

Inhalt
Als erstes fällt die Menge des Inhalts auf. 480 dicht beschriebene Seiten, vierfarbig bebildert. Schon das Inhaltsverzeichnis ist umfangreich. Gleich in den ersten Kapiteln geht es um das, was, Social Media ausmacht: Kommunikation. Immer im Hintergrund die Frage: Was ist Social Media eigentlich und wie funktioniert „das“?
Gleich im ersten Kapitel „Eine Einführung in Social Media Marketing“ wird erklärt was das eigentlich ist, weshalb man das Marketing im Social Web ein ganz anderes ist, als das klassische Marketing. Und warum ist das überhaupt wichtig, dass man sich daran beteiligt? Auch wird deutlich gesagt, dass man (das Unternehmen, der Mensch, der Chef, die Mitarbeiter) für das Social Media Marketing bereit sein muß, und sich auf keinen Fall auf gut Glück halbherzig darauf einlassen sollte.

Ein ganz wichtiger Aspekt wird gleich zu Beginn von Kapitel 2 „Ziele setzen in sozialen Netzwerken“ aufgegriffen: Die weitverbreitete Angst vor den sozialen Netzwerken. Hier geht es auch um die Strategien: Was will ich überhaupt erreichen? Was sind meine Ziele? Die Angst vor einem Shitstorm hindert heute sicher noch viele (vor allem kleinere) Unternehmen daran, sich an das Abenteuer im unbekannten Web 2.0 Land zu wagen. Hier geben Tamar Weinberg, Corina Pahlmann und Wibke Ladwig direkt zwei Fallbeispiele, wie man mit der Situation umgehen kann.
In diesem Kapitel werden die Risiken nicht verschwiegen, sondern sachlich erläutert und eben Vorschläge gemacht.

Kapitel 3 dreht sich dann um einen weiteren wichtigen Aspekt des Alltags eines Unternehmens: Das Monitoring und die Strategieplanung. Wie überwacht man eigentlich das, was über einen so im Internet geschrieben wird? Und wie das, was man selber tut und die Reaktionen darauf? Immer wieder der Hinweis, dass zuhören wichtig ist. Und was kommt nach dem Zuhören? Wer kümmert sich überhaupt um das, was man in Zukunft da im Internet machen möchte? All das muß bedacht werden und wird hier erläutert.

Im vierten Kapitel kommt dann auch folgerichtig der Hinweis aufs Cluetrain Manifest. „Marketing ist Mitwirkung“. In diesem Kapitel gibt es zunächst Beispiele, die sehr gut darstellen, worum es geht. In kurzen, gut lesbaren Abschnitten werden anschließen zentrale Punkte des Reputations Managements dargestellt.

Um Blogs und das Bloggen geht es in Kapitel 5. Zunächst wird dem Neuling erklärt, was ein Blog überhaupt ist, auf welche Weise man mit einem Blog kommunizieren kann. Ach ja, macht das Sinn, dass ein Unternehmen bloggt? Und wenn ja, wie macht es das am besten? Dabei wird auch nicht vergessen, den Leser über „die technische Seite“ des Bloggens aufzuklären. Schließlich muß ein eigenes Blog auch irgendeine Heimat haben.
Ja, sogar das Schreiben wird erläutert. Wie erreicht man eigentlich sein Wunschpublikum? Es wird gleich darauf hingweisen, dass ein persönlicher Schreibstil meist der Erfolgreichste ist. Viele Kleinigkeiten werden hier nebenbei an den Leser vermittelt. Über vieles davon werden sich viele Verantwortliche in Unternehmen sicher noch nie Gedanken gemacht haben. Denn das Social Web ist eben keine Einbahnstraße, wie im klassischen Marketing.
Auch wie man sich in der Bloggosphäre bekannt machen kann, wird in diesem Kapitel dargestellt.

Weiter gehts mit einem der umfassendsten Kapitel und in dem geht es um Twitter. Erstaunlich, dass dem Microblogging Dienst im Verhältnis so viele Seiten gewidmet werden. Zumindest auf den ersten Blick. Aber letztlich sagt schon die Überschrift, warum das so ist: „Die Magie des Microblogging…“ Eindeutig ein Kapitel auch für Twitter-Einsteiger. Jeder Begriff wird hier erklärt. Manch einen mag es vielleicht erstaunen, dass man ausgerechnet Twitter für das Firmen-Marketing intensv nutzen soll. Warum Twitter so gut geeignet sein kann, wird an diversen Beispielen vom deutschen Markt dargestellt. Inklusive einem Interview mit Andreas H. Bock und Renate Schöttler zum äußerst erfolgreichen Kanal der Telekom (@telekom_hilft). Das weiß der erfahrene Twitterer natürlich alles, genau wie er die Geschichte von Sina Trinkwalder (@manomama) kennt. Doch die Entscheider an die sich dieses Buch richtet, werden hier sicher ein Aha-Erlebnis haben.
Wie man seinen eigenen Twitter-Kanal nun managed und womit, auch dafür werden in gut nachvollziehbarer Form wichtige Tipps gegeben.

Kapitel 7 widmet sich den sozialen Netzwerken Facebook, Google+, XING etc. Gegenüber dem Twitter-Kapitel wirkt es fast lächerlich, wenn man bedenkt, wieviel Netzwerke hier abgehandelt werden.
Die Einführung in die einzelnen Netzwerke und ihre Funktionen ist hier nicht so umfangreich wie bei Twitter, aber das füllt ja auch ganze andere Bücher. Auch konkrete Beispiele gibt es zu den sozialen Netzwerken nicht.
Dafür gibt es ein Interview mit Annette Schwindt, die sowohl zu Facebook als auch zu Google+ sehr gute Bücher bei O’Reilly veröffentlicht hat (s. auch meine Rezension zum Facebook-Buch). Auch die Anleitungen und Hilfestellungen für das Marketing in den sozialen Neztwerken kommen nicht zu kurz.

Wie man die sozialen Netze als „Umschlagplätze für Informationen und Waren“ nutzen kann, erfährt der Leser im nächsten Kapitel. Unter dem Motto „Wissen ist Macht“ wird die Wikipedia erklärt, der Vorschlag für ein eigenes Wiki gemacht. Weiter geht es mit den Ratgeber Communities, die sich auch für Marketing Zwecke nutzen lassen. Aber Achtung: gnadenlose Eigenwerbung kommt hier ganz schlecht an. Das Buch zeigt Wege, wie das besser geht.

Weiter geht es mit Social Bookmarking im eher kurzen Kapitel 9. Hier geht es zunächst um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Bookmarkingdienste, dann werden einzelne vorgestellt. Letztlich stellen die Autorinnen fest, dass sich Social Bookmarking nach wie vor noch nicht richtig durchsetzen konnte, zeigen aber dennoch deutliche Vorteile der Dienste im Alltag auf.

Kapitel 10 erklärt, wie man „Mehr Seitenaufrufe durch Social News“ bekommen kann und in Kapitel 11 geht es um Multimediale Inhalte. Wie kann man Fotos zur Vermarktung nutzen, wie helfen Portale wie Flickr dabei, selbiges gibt es für Videos und YouTube und Co. Außerdem werden die Creative Commons vorgestellt.
Auch das Podcasten wird in diesem Kapitel erwähnt, kommt allerdings reichlich kurz weg. Alle Möglichkeiten werden wieder durch Beispiele unterstützt.

Das letzte Kapitel erklärt schließlich „Wie alles zusammenwächst“ und macht dann auch deutlich, wie umfassend Social Media Marketing eigentlich sein sollte. Obwohl das Kapitel 12 relativ kurz ist, steckt doch erstaunlich viel Inhalt und Information darin. Hier ist man dann wirklich über das Einsteiger Niveau hinaus.

Fazit:
Eigentlich gibt es von meiner Seite nur ein eher zweifelhaftes Contra zu Social Media Marketing – Strategien für Twitter, Facebook & Co.: Der Titel. Denn so richtig konkrete Rundum-Strategien findet man hier nicht. Aber wie sollte das auch gehen, bei der Vielfalt der Möglichkeiten? Sowohl auf Seiten der Leser und ihren Firmen, als auch auf Seiten der Netzwerke. Es gibt aber gute Anleitungen und viele Tipps und Ratschläge zur Planung, Netzwerken, zum Monitoring etc. aus denen man sich die für das eigene Unternehmen passende Strategie entwickeln kann.
Somit wirklich ein empfehlenswertes Buch für Unternehmen oder auch Selbstständige, die sich für Social Media Marketing interessieren und sich im Web 2.0 präsentieren wollen. Die vielen Beispiele liefern viele Ideen, die Grundlagen werden erklärt, begründet, vor Fehlern wird gewarnt und eigentlich bleibt auch keine Frage offen.

Social Media Marketing – Strategien für Twitter, Facebook & Co. ist absolut verständlich geschrieben, und durchweg leicht zu lesen. Man nimmt die Informationen quasi im Vorbeilesen mit und merkt oft nicht einmal wieviel Information sich darin versteckt. Was nicht heißen soll, dass man die Informationen nicht mitbekommt, ganz im Gegenteil. Sie sind nur in einem zielgerichteten Schreibstil verpackt. Man merkt dem Buch die Kompetenz der Autorinnen an, Nachteile werden nicht verschwiegen, auch der Aufwand, der hinter dem Marketing im Netz steht, wird nicht außer Acht gelassen. Die vielen Screenshots unterstreichen das. Außerdem wird sehr gut auf die (zumindest in Deutschland) stark vorhandene Skepsis gegenüber dieser „neuen“ Form des Marketings eingegangen. Dieses Buch sollte wohl in jeder Marketing-Abteilung einen Platz finden.

 

Social Media Marketing – Strategien für Twitter, Facebook & Co,

O’Reilly Verlag

 

3. Auflage Juni 2012
ISBN 978-3-86899-236-6
480 Seiten
29,90 €

eBook 24,00 €

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