Helgoland: Sehnsucht nach einer Insel

Helgoland: Lange Anna mit Baßtölpeln im FlugIch fühle eine leise Sehnsucht. Nach einer kleinen Insel in der Nordsee. Nach Helgoland. Nur ein paar Tage waren wir im Sommer da. Ich gebe zu: Unter eher unrealistischen Umständen. Denn es war unfaßbar schönes Wetter. An allen drei Tagen. Wahrhaftes Traumwetter, welches meine Sicht auf Helgoland sicher ein wenig schönt. Das sage ich mir selbst immer, dann, wenn ich gerne zurück möchte. Wenn ich darüber nachdenke, wie wir möglichst schnell wieder nach Helgoland mitsamt Düne kommen können. Denn wir wohnen auch nicht eben um die Ecke der Orte, von denen aus man zur Insel gelangen kann.

Ich frage mich, wie Helgoland es geschafft hat, sich so heimlich in mein Herz zu schleichen? Und nicht nur in meines, auch in das meiner Tochter. Was hat Helgoland, dass es solche Sehnsüchte weckt? Die Größe der Insel kann es ja nicht sein, schließlich kann ich sie sogar mit Kind in wenigen Stunden umwandern und dabei noch ausgiebige Zwischenstopps zum Bewundern der Natur einlegen. Es ginge sogar Ober- und Unterland an einem Tag zu umrunden. Das wäre mir persönlich dann aber doch etwas viel Hektik und würde Helgoland absolut nicht gerecht werden.

Sicher ist es genau dieses Nicht-vorhandensein von Hektik, welches auf Helgoland vorherrscht, was zumindest einen Teil der Sehnsucht ausmacht. Für mich waren die Tage auf Helgoland ein paar Tage abseits der Alltags-Hektik, innerhalb weniger Minuten hatte die Insel mich quasi verzaubert. Ich wurde ruhig, auch Töchterchen entspannte sich sichtlich beim Blick aus unserem Hoteldachfenster. Dieses hatte nämlich einen direkten Blick auf Düne und das Meer. Bei schönstem Wetter und dementsprechend klarer Sicht.

Insel Düne vor Helgoland

Wir sind schnell wieder raus aus dem kleinen, gemütlichen Appartement im Haus Nickels. Ein paar Stunden hatte der Tag ja noch. Erstmal Richtung Dünenfährenanleger und Südstrand. Töchterchen freute sich über den noch neuen Spielplatz an der Strandpromenade. Der ist wirklich schön angelegt und bietet viel zum Klettern und Balancieren. Ich saß auf einer der Bänke am Rande, sah auf das Meer, welches ich so liebe und träumte vor mich hin.

Wir sind dann noch weit gelaufen, eigentlich einmal rund ums Unterland, soweit die Absperrungen einen eben lassen. Barfuß am Strand bei der Jugendherberge, einen Fuß ins Wasser. Das war dann doch kalt. Allerdings noch wärmer, als ich erwartet hätte. Schön war es, aller Alltagsstreß schlagartig vergessen.

Warum waren wir eigentlich auf Helgoland gelandet? Letztlich sind die Robben Schuld. Denn Töchterchen liebt Seehunde und Robben, kann sie stundenlang beobachten. Vorausgesetzt, es sind nicht zu viele Menschen in der Nähe. Also habe ich die Idee getwittert, bin von @Binnewies_ an die Hand genommen worden und habe noch ein freies Hotelzimmer gefunden. Was für ein Glück.

Leuchtturm-DueneAm ersten ganzen Tag fuhren wir nach einer kurzen Erkundung des Oberlandes zur Insel Düne rüber. Bei traumhaften 27°C ab Mittag. Wir fanden ein paar Seehunde und Kegelrobben, insgesamt waren es aber eher wenige, der Zeitpunkt im August war eher ungünstig. Das Fräulein Tochter war dennoch überglücklich. Wir genossen herrliches Badewetter, waren tatsächlich in der Nordsee, ich konnte sogar schwimmen ohne dabei gefühlt zu erfrieren. Das hatte ich bei der Planung nicht mal zu träumen gewagt. Der feine Sand warm zwischen den Zehen, ohne die Fußsohlen direkt zu verbrennen, wir umrundeten Düne fast komplett barfuß. Ja, tatsächlich sind wir in zwei Tagen einige Kilometer  um die beiden Inseln gelaufen, was vor allem auf Düne quasi unbemerkt und unangestrengt stattfand.
Nachmittags machten wir noch eine Führung mit  Rolf Blädel dem Seehundjäger. Kurz: Es hat sich gelohnt und wir lernten einiges, auch wenn die Robben sich mittlerweile verzogen hatten.

Seehunde-Helgoland

Ich dachte, unter den Wetterumständen ziehe ich Helgoland jeder südlich gelegenen Insel oder auch jedem anderen Strandurlaub im Süden vor. Und ich fragte mich im selben Moment warum, fragte mich, ob ich das auch so empfinden würde, wenn wir bei Dauerregen und Sturm da gewesen wären.

Helgoland ist autofrei. Ich glaube, das macht viel aus. Es ist ruhiger, als unser Alltag. Sowohl akustisch, als auch in der Geschwindigkeit. Entschleunigung, wie es neudeutsch so schön heißt. Auch die Menschen haben die Ruhe weg, sie haben ihre eigene Art (ja, jeder anders, aber dennoch…). Ich mag diese Art. Es war wunderbar, die Sprache zu hören, ich verfiel in einen Slang, den ich in dreißig Jahren Hamburg nie so gesprochen habe, aber da ging es gar nicht anders. Meine Tochter guckte mich manches Mal etwas irritiert an. Ja, ich habe mich wohlgefühlt unter den Menschen auf Helgoland.

enge-Haeuserreihen

Helgoland hat seine eigene Architektur und dadurch einen ganz eigenen Charme. Nachdem die Insel im zweiten Weltkrieg komplett zerbombt wurde, wurde in den 50er Jahren alles komplett neu gebaut. Die bunten Häuser stehen eng (auf Dauer für mich zu beengt), sehen irgendwie alle gleich und doch so anders aus. Eine andere Welt. Ich fragte mich, ob ich hier leben könnte. Weil ich mich doch so wohl fühlte. Aber auf Dauer wäre mir Helgoland wohl doch zu klein, die Auswahl an Strecken zum Spazierengehen wohl zu beschränkt. Außerdem – so sehr ich das Meer liebe, etwas fehlt Helgoland: Wald. Der würde mir auch fehlen. Genau wie Pferde. Auch wenn ich zur Zeit keines habe, auf Dauer ganz ohne ginge auch nicht. Nein, wohnen könnte ich auf Helgoland eher nicht. Aber gerne noch oft einen Urlaub da verbringen.

Helgoland Oberland Wiese

Auch meine Tochter spricht oft von Helgoland, fragt, wann wir wieder hinfahren. Neben Düne und Robben hat vor allem die Autofreiheit es ihr angetan. Damit auch die Ruhe, die Stille, das Meeresrauschen. Sie interessiert sich sehr für das Inselleben. Wie die Schule da wohl ist? Wie kommt man vom Oberland im Notfall ins Krankenhaus? Und wo hält man sich bei einer Sturmflut am besten auf?

Wir haben absolut nichts drinnen gemacht, außer Frühstück, Übernachten und Kurzaufenthalte im Hotel, sowie einen Abend im Inselkino. Es bleibt uns also noch viel zu entdecken auf Helgoland. Wenn wir wieder die Gelegenheit haben sollten, ein paar Tage auf der Insel verbringen zu können und das Wetter nicht ganz so übertrieben wunderbar ist. Ja, wir hatten auch Regen, den aber nur morgens und am letzten Tag war es auch ordentlich stürmisch. Passend für eine Umrundung des Oberlandes. Den Lummenfelsen angucken, die Baßtölpel beobachten, standhaft bleiben. Wie wohl ein richtiger Sturm auf Helgoland sich anfühlt?

 Basstoelpel sitzt am Felsrand Basstölpel im Flug

Absolut undenkbar wäre für mich ein typischer Tagestouristen-Helgoland-Tag. Warum macht man das überhaupt? Gut, es muß Gründe geben, so viele Tausend Menschen, wie das in der Saison tagtäglich machen. Nein, Helgoland hat mehr Zeit verdient. Zeit, die Ruhe zu genießen, die einkehrt, wenn eben diese Tagestouristen die Insel wieder verlassen. Wenn die Sicht wieder frei ist und keine Schiffe mehr vor Anker liegen. Andererseits… wenn wir nur wenige Tage in Hamburg/Segeberg zu Besuch sind, wäre eine Tagestour vielleicht eine Möglichkeit, wenigstens kurz einen Abstecher nach Helgoland zu machen, auf diese Insel, die uns so heimlich, still und leise verzaubert hat. Wir müssen ja nicht mit den Massen durchs Oberland ziehen.

Die Frage, was genau uns so nach Helgoland zurückzieht, kann ich nicht beantworten. Aber vielleicht will ich das auch gar nicht so genau wissen. Sonst zerstört das Wissen vielleicht den Zauber.

Möwe blickt auf die Nordsee bei Helgoland

7 Kommentare

  1. Genau so empfinden wir auch. Ein Besuch pro Jahr ist Pflicht. Ich kann nicht von Helgoland wegfahren, ohne den nächsten Besuch zumindest geplant zu haben. Nächstes Jahr im April ist es wieder soweit. Wir freuen uns schon.

  2. Ganz toll beschrieben mehr Worte braucht man nicht man muss es sehen, Urlaub für die Seele.

  3. Toll be(ge)schrieben…! Danke dafür. Wir sind seit Jahren mehrmals im Sommer mit dem eigenen Boot dort. Haben das Glück direkt an der Küste zu wohnen und ich würde niemals tauschen wollen. Jedesmal wenn wir dann die Insel am Horizont auftauchen sehen hat es einen Zauber inne, der nicht zu beschreiben ist. Freudig aufgeregt, wie Kinder an Weihnachten, steuern wir unser Paradies an. Ich kann gut verstehen das dieser Ort euch so in den Bann gezogen hat…Wir sind im Sommer garantiert wieder da…vielleicht begegnet man sich ja ganz zufällig 😉

  4. Fahre seit über 30 Jahren mindestens 1 Woche pro Jahr dorthin. Liegt ja förmlich um die Ecke. Wunderschön immer wieder…………….

  5. Eine wunderbare Liebeserklärung an DIE Insel 🙂 Vielen Dank dafür!

  6. Oh, meine Lieblingsinsel. Schick!