Nach dem Kurs „Gute Apps für Kinder“

Es ist jetzt schon eine Weile her, dass der offene Online Kurs „Gute Apps für Kinder“ des MLAB zu Ende ging. Ich habe eine Weile gebraucht, um darüber weiter zu berichten. Aus diversen Gründen. Aber sicher auch deswegen, weil ich mich im Nachhinein frage, was ich vorher eigentlich erwartet habe. Damit ich unter dem Aspekt der erfüllten oder nicht erfüllten Erwartungen diesen Bericht schreiben kann. Aber irgendwie hatte ich im Gegensatz zu den meisten anderen Teilnehmern keine konkreten Erwartungen. Mich hat einfach das Thema interessiert.

Der offene Online Kurs #mlab13 wurde gleich zu Beginn von Mitinitiator Jöran Muuß-Merholz als pMOOC bezeichnet (mehr zu MOOCs), „p“ für Produktion. Denn es sollte ganz konkret etwas entstehen. Nämlich ein Wiki mit möglichst vielen Apps für Kinder. Das nicht einfach als Liste, sondern anhand eines zuerst ausgearbeiteten Kriterienkataloges.

Grob der Ablauf:
In Gruppen wurden zu verschiedenen Themen Prüfkriterien für Apps erarbeitet, immer ca. vier Gruppen widmeten sich einem Thema. Das Ergebnis wurde einem Coach geschickt (für jedes Kriterium gab es einen Coach). Danach war die Aufgabe, aus diesen unterschiedlichen Ergebnissen unter Berücksichtigung der Anmerkungen des Coaches die endgültigen Prüfkriterien festzulegen. Aus den vier Ergebnissen ein Endgültiges machen. Dafür mußten sich wieder mehrere Leute aus den einzelnen Gruppen zusammenfinden.
Dann gab es eine sogenannte Bonusaufgabe, das Erstellen eines Podcasts zu einer App. Voraussetzung: Dabei mußte ein Kind mitwirken. Podcasts waren noch nie mein Ding, also habe ich nicht mal darüber nachgedacht, ob ich meine Tochter dazu überreden könnte, mit mir über eine App zu reden.
Schließlich stellten die Kursteilnehmer eine A-Z Liste von Apps für Kinder zusammen. Aus diesen Apps suchten wir uns dann eine raus, die wir anhand des ausgearbeiteten Kriterienkataloges bewerteten. Andere Teilnehmer machten ein Review der Bewertung, so dass am Ende der fertige Katalog stand.

Was denke ich jetzt im Nachhinein über den Kurs?
Zunächst finde ich das Ergebnis sehr erfreulich. Mittlerweile sind es über 80 bewertete Apps im Katalog, der für jeden zur Verfügung steht. Das ist super für alle Menschen, die sich für das Thema interessieren. Sei es aus beruflichen oder privaten Gründen. Der Kurs stand allen Interessierten offen, also sowohl Studenten, Lehrern, Pädagogen… Aber auch Leuten wir mir, nämlich Eltern. In der Kurscommunity hatte ich jedoch ganz schnell den Eindruck, dass die „nur-Eltern“ einen verschwindend geringen Anteil der Teilnehmer ausmachten. Um nicht zu sagen: eher gar keinen. Zumindest hat sich keiner der aktiven Teilnehmer außer mir als solche zu erkennen gegeben. Überwiegend waren es Studenten der Erziehungeswissenschaften von der Uni Mainz (und auch anderen Unis). Denn für diese hatte es einen konkreten Zusammenhang mit ihrem Studium.

Die Intensität der Teilnahme war jedem freigestellt. So war ich am Anfang unerwartet intensiv dabei, weil ich die zeitliche Möglichkeit gerade hatte. Als es dann an die Bewertungen der Apps ging, überschlug sich hier jedoch wieder einiges, ich war mit Arbeit eingedeckt und damit konnte ich nicht mehr so umfassend teilnehmen, wie ich es am Anfang getan hatte. Ärgerte mich persönlich ziemlich, so konnte ich nur eine App bewerten. Als Nebenprodukt habe ich die App „Verflixt, hier stimmt was nicht!“ dann noch im Familienblog abseits des Kriterienkataloges beschrieben.

Als großes Problem stellte sich für meine Gruppe am Anfang der enge Zeitplan dar. Letztlich kam gar keine effektive Gruppenarbeit zustande. Denn von den vier Gruppenmitgliedern war jeder zu einer anderen Tageszeit online. Da ist eine Gruppenarbeit, die an einem Tag abgeschlossen werden muß, schlicht nicht möglich. Außerdem kam hinzu, dass ich wohl die einzige war, die schon vor Beginn des Kurses einen G+ Account hatte und auch wußte, wie ein Hangout funktioniert etc. Sehr viele Teilnehmer mußten sich zusätzlich zu den eigentlichen Kursinhalten ganz nebenbei auch noch mit Google+, Etherpad, Doodle, Podcast etc. auseinandersetzen.

Im Nachhinein gibt es viele Reaktionen von Kursteilnehmern, die sich freuen, dass sie eben auch diese Dinge gelernt haben. Ich frage mich, was ich gelernt habe. Oben genannte Tools sind mir natürlich vertraut und meine Social Media Manager Ausbildung hat mir auch eine gewisse Wiki-Erfahrenheit eingebracht. Vom Kurs selber? Habe ich etwas gelernt? Die Gruppenarbeit hat bei uns ja leider nicht funktioniert, aber bei der Zusammenführung der Kriterien traf ich dann doch noch in Echtzeit auf andere Kursteilnehmer. Das hat zumindest Spaß gemacht. Die Frage, ob ich etwas gelernt habe, kann ich einfach nicht beantworten. Ich weiß aber, dass ich den Kurs gut fand, dass ich gerne dabei war, dass ich das Ergebnis gerne weiterverbreite.

Teilweise kam ich mir ein wenig fehl am Platze vor, war ich doch wohl die einzige wirklich aktive „nur-Mutter“ in dem Kurs und denke, dass das Ergebnis des Kurses nicht nur für Pädagogen und Co. interessant ist. Und dass eine gute App für Kinder nicht zwingend irgendwelchen Bildungs-Hintergrund und Anwendbarkeit im Unterricht vorweisen muß. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass eine gute App für viele nur die sein kann, die einen pädagogischen Mehrwert bietet. Aber es gibt eben auch andere Apps für Kinder, die gut sein können, finde ich.

Ein großes Lob geht von meiner Seite auf jeden Fall an die Veranstalter, vor allem an Friederike Siller, Jasmin Bastian und Tabea Siebertz, die letztlich rund um die Uhr für uns da waren (ja, das kann ich aus Erfahrung so sagen). Jede Mail wurde zügig beantwortet, die Kursteilnehmer wurden nie alleine gelassen, egal, welches Problem es gerade gab. Auch die Coaches waren, soweit ich mitbekommen habe, sehr intensiv dabei.

Ich hoffe, dass die deutlich spürbare Begeisterung vieler Teilnehmer sich jetzt nicht komplett auflöst und dem Alltag weicht. Denn die Anzahl der geprüften Apps ist zwar schon toll, aber wir haben auch weiterhin die Möglichkeit, Apps zu bewerten und den Katalog somit zu erweitern. Und es wäre doch für viele Zielgruppen wunderbar, wenn man hier eine Anlaufstelle für die Suche nach Apps hätte, oder?

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