Onlinemüde

im WaldIch bin müde. Ja, auch ein wenig Frühjahrsmüde. Aber vor allem gerade Onlinemüde. Nichts gelingt so richtig. Ich habe mein NetLeben Thema zwar gefunden, weiß aber im Endeffekt gar nicht, was ich wirklich damit anfangen kann. Ich fühle mich ein wenig wie das nebenstehende Bild des Waldes. Altes zerbricht, Neues fängt an zu wachsen, kommt aber nicht so recht voran. Unaufgeräumt, aber da kann viel Neues entstehen.
Ja, ich habe viele Ideen, aber im Endeffekt geht mir das gerade mal wieder alles viel zu langsam. Ich bin ungeduldig. Ich will Veränderung, ich brauche Veränderung, irgendwie muß es weitergehen. Anders weitergehen, als mein bisheriges Leben. Dafür muß ich aber vieles vorher schaffen. Das kostet Zeit, das ist aufwändig. Aufwand stört mich nicht, ich fuchse mich gerne schnell in neue Themen ein. Aber Zeit, die habe ich wie immer nicht. Oder in dem Fall vielleicht eher Geduld für die Zeit, die ich aufbringen muß.

Vielleicht bin ich auch deswegen im Moment onlinemüde. Wer sich durch dieses Blog blättert, wird vielleicht merken, dass ich zur Zeit viel lieber draußen bin. Und zwar ganz offline. Klar, das Smartphone ist in der Tasche, aber es wird nicht gebraucht.
Am Sonntag zum Beispiel war endlich ein richtig schöner Frühlingstag. Wir waren draußen, wie Tochter sagte: „Bei dem Wetter muß man einfach die ganze Zeit draußen bleiben. Da kann man gar nicht drinnen sitzen.“ Recht hatte sie. Der lange Winter, die lange Zeit der Kälte hat doch ihre Spuren hinterlassen. Wir waren draußen. Haben im Garten gegraben, Tochter wollte in den Wald, Moos sammeln. Davon gab es nach der langen Schneeperiode mehr als genug.

Ast voll Moos Moosstämme bemooster Baumstamm
Wir guckten, wir sammelten, wir genossen den Sonnenschein, das schöne Wetter. Schmetterlinge flogen um uns herum, auch die vier Rehe vom letzten Spaziergang allein im Wald liefen wieder an uns vorbei. Wir landeten schließlich noch spontan drei Kilometer weiter in der Eisdiele.
Die ganze Zeit habe ich nicht ein einziges Mal auch nur daran gedacht, das alles zu twittern. Warum auch? Warum macht man das überhaupt? Das frage ich mich immer wieder. Eigentlich wollte ich Twitter ja nur nutzen, um fachliches auszutauschen. Inzwischen stecke ich aber wieder in einer Phase, in der es nur um Nebensächliches und Privates geht. Also vollkommen am Ziel vorbei. Gut, auch dafür gibt es Gründe, aber die sind nun auch nicht gerade etwas, was mir gefällt..

Aus der Testphase „Was wirkt wie, wie kommt was an?“, bin ich eigentlich raus. Zeit für Inhalte. Komischerweise kommen die eher mal bei Facebook. Twitter ist mehr das „zwischendurch mal schnell in den Raum geworfen“ Medium geworden. Ja, es gibt da einige nette, unterhaltsame und auch wichtige Gespräche. Auf die möchte ich auch nicht mehr verzichten. Dennoch reicht mir das nicht. Sicher in erster Linie von dem, was ich selber mache. Da fehlt mir der Sinn.

Was mir außerdem fehlt, ist die Konzentration. Meine Timeline rauscht an mir vorbei. Ach, denke ich, das muß ich mir genauer angucken. Habe aber gerade nicht den richtigen Client bzw. Browser offen, mit dem ich was an Pocket schicken kann. Gut, klicke ich halt auf Favorisieren. Meine Abende beginnen zur Zeit auch eher nach 21:30 Uhr, da gammel ich dann auch nur noch rum. Wird also nichts mit dem „genauer angucken“. Oder es ist schon wieder um die Ecke. Bei vielen interessanten Sachen, zu denen ich etwas hinzufügen möchte, bleibt mit oft nur der kommentarlose Retweet (aus technischen Gründen). Lohnt sich nicht. Und bis ich dann etwas dazu schreiben könnte, haben es schon x andere getan. Da finde ich es dann einfach blöd, Stunden später noch etwas draus zu machen.

Ich lese Twitter, blättere meine Facebook Listen durch und nehme so richtig nichts mehr wahr. Vieles für NetLeben (und meine Pläne) entgeht mir. Irgendwie bin ich nicht voll da. Gut, aktuell ist mein Gehirn gerade Grippe zermatscht, aber das meine ich nicht. Vielleicht sagt mein Kopf einfach gerade mal „Ich mag jetzt nicht mehr. Ständig muß ich mich um solche Dinge kümmern, nach Inhalten suchen, was draus machen, Pläne schmieden und umsetzen. Jetzt ist mal ein wenig Pause, bitte. Es gibt so viele andere Baustellen. Direkt vor deiner Nase. Da muß ich mich auch drum kümmern. Lösungen finden.“

Hufabdruck im Matsch

Ja, ich bin onlinemüde. Lasse Twitter, Facebook und Co. öfter mal unbeachtet, arbeite es nicht mehr inhaltlich durch. Nur noch nach Geplänkel. Ja, Social Network. Einfach so, zum Spaß, zum Plappern. Wenn es mich nicht ärgern würde, weil ich eigentlich noch anderes will, wäre es vollkommen in Ordnung.
Ich muß mal mit mir selber ins Reine kommen und den Druck raus nehmen. Vielleicht ist dann auch meine Onlinemüdigkeit vorbei und ich schaffe wieder was. Nehme andere wieder mehr wahr, Menschen und Inhalte. Mache also das was ich will. Dafür muß ich aber wohl erstmal mehr durch’s Offline Leben streifen. Die Bremse ziehen, um wieder Gas geben zu können. In Ruhe. Und wieder gelassener werden. Wieder ich werden. Für heute und für morgen. Für eine Veränderung.

3 Kommentare

  1. Steck die Nase in die Sonne, geniess die Waldspaziergänge, oder eben auch mal dieses Nixtun. Höre dann auf Deinen Bauch, was will und was tue ich. Onlinemüde klingt eigentlich mehr nach einer gewissen Suche. Also ohne Stress und das gute tolle Internet was wir alle so lieben und nicht mehr vermissen möchten, gibt es danach auch noch.
    Also … sonnige Grüsse sendet Dani

  2. Aus dem Text meine ich herauszulesen, daß Du ein schlechtes Gewissen verspürst, wenn Du nicht online bist. Mußt Du aber gar nicht haben. Es gibt keinen Zwang zu bloggen, zu twittern oder Facebook mit Material für die Durchleuchtung seiner User zu füttern. Die Nutzung dieser Medien sollte Spaß machen. Also sollte man ungeniert twittern, wenn einem danach ist, und es eben bleiben lassen, wenn einem nicht danach ist. Und wenn Der Blog mal mit einem Hinweis „wegen des schönen Frühlingswetters vorübergehend geschlossen“ etwas einstaubt, ist das auch egal.

    Aus Sicht des Netzes magst Du onlinemüde sein. Aber die Abwendung vom Netz bedeutet ja auch eine Hinwendung zum Leben. Und das ist die gute Nachricht in Deinem Text.

    • Nein, ich habe kein schlechtes Gewissen, nicht online zu sein. Ich kann so gesehen ganz hervorragend offline sein. Aber ich muß meine Situation entscheidend ändern und dafür muß und will ich wesentlich mehr mit Inhalten machen. Das hat nichts mit schlechtem Gewissen zu tun, sondern „nur“ mit Notwendigkeiten.
      Und nein, eine Hinwendung zum Leben bedeutet das in dem Sinne auch nicht wirklich. Am Leben (zu dem online ja auch dazugehört) ändert sich dadurch nichts.