Pause beim Seiltanz

im Bad Vilbeler WaldEs ist Juni. Der Sommer naht. Zumindest laut Kalender 🙂 Ich merke, eines ist wie immer um diese Jahreszeit: Ich tanze einen Tanz auf dem Seil und drohe abzustürzen. Anders gesagt: Ich ersticke im Alltag, es ist im Moment einfach zu viel los in meinem Leben.

Deswegen mache ich hier im Blog jetzt eine Pause. Ich will nämlich nicht abstürzen. Ich ziehe mich allgemein aus dem NetLeben zurück, bis wieder etwas Ruhe eingekehrt ist. Wobei Rückzug nicht mit „ich bin dann mal weg“ gleichzusetzen ist. Ich mache einfach weniger. Nicht, weil ich manchmal etwas onlinemüde bin (was ja ähnliche Gründe hat, wie diese Pause). Ich möchte mich auch nicht irgendwelchen Experimenten des Social Media Entzugs unterwerfen. Ich möchte nur eines: Wieder etwas Ruhe in mein Leben bekommen.

Das kann ich nur, indem ich mal wieder an den einzig möglichen Stellen zurückfahre. Da bleibt nicht viel. Außer online. Entschleunigung ist zur Zeit ja auch so ein Modewort. Ich lasse es mir im Kopf herumgehen. Und stelle für mich fest: Quatsch. Ich kann nichts entschleunigen. Ich eile ja nicht. Doch, ich hetze, weil ich so viel auf dem Zettel habe. Ich wünsche mir meine Gelassenheit zurück. Ich mag mich nicht, wenn ich so ungeduldig und angespannt bin.

Dennoch kann ich mit Entschleunigung nichts anfangen. Denn bei mir geht es nicht darum, zur Langsamkeit zurückzukehren, sondern schlicht darum, das Notwendige in den gegebenen Tagesstunden zu schaffen.

Dabei verzettel ich mich im Moment und mir geht viel Zeit verloren, weil ich darüber nachdenke, wie ich denn alles schaffen soll und mich ständig frage, wo ich nun anfange (was ich dann an drei Ecken mache und keine Sache vernünftig wird). Nein, langsamer will ich nicht machen, dann verfalle ich in Lethargie, das kenne ich zur Genüge.

Ich habe einiges für dieses Blog auf dem Plan. Die längst überfällige Rezension vom Netzgemüse, ein weiterer NetLeben-Fokus, Jetzt flog mir auch noch das „This is how I work“-Stöckchen zu. Im Kopf ist es halb fertig beantwortet, aber es hier niederzuschreiben, konzentriert und sortiert, dazu fehlt mir schlicht die innere Ruhe. Denn da ist ja auch noch das Familienblog, da warten Berichte zum Mathematikum, Experiminta, verschiedenen Büchern…

Ja, Pläne habe ich, Ideen ebenfalls. Aber es wird einfach nichts, mit der Tagesverlängerung auf 30 Stunden. Und ich spekuliere ein wenig darauf, dass ich sehr viel mehr auf die Reihe bekomme, wenn ich erstmal das überhaupt Mögliche auf Pause schalte. Aufhöre, mich selbst unter Druck zu setzen. Sonst wird das alles nichts. Ausblenden, um es wieder fokussieren zu können. Eigentlich versuche ich mich mit dieser offiziellen Pausenankündigung selbst auszutricksen. Den inneren Zwang zum Bloggen abzuschütteln. Nicht zwanghaft twittern zu wollen, Infos auch mal vorbeirauschen zu lassen. Es dann ohne Zwang einfach zu tun. Vielleicht klappt es ja 🙂

Ab Juli wird es ohnehin etwas ruhiger. Und in den Sommerferien ist Urlaub angesagt, davon sogar ein paar Tage in einer Form, die diesen Begriff in mehr als nur „keine Arbeit“ tritt. Da freue ich mich drauf. Genau wie darauf, mich schon vorher wieder zu sortieren.

Ein Kommentar

  1. Anja, du schreibst mir aus der Seele. Ich ringe jedem Tag jede verfügbare Sekunde ab und es langt trotzdem nicht, egal wie ich mich strecke und zapple. Auch wenn es mir nicht zu mehr Zeit verhilft, tut es doch gut zu lesen, dass es anderen genauso geht und ich nicht alleine an der Front „Alltagsüberforderung“ kämpfe.

    Ich wünsche Dir mehr Zeit und dafür weniger Aufgaben, damt du eine Stufe zurückschalten kannst!
    Liebe Grüße Silja