Randnotiz: Herdentrieb, Gewohnheit oder was?

Ich glaub es nicht. Es ist Samstag Abend, Tochter ist mit ihrem Papa über Ostern bei Oma und Opa, ich habe frei. Da sollte ich doch was draus machen. Schließlich sind freie Abende ein mehr als seltener Luxus in meinem Leben. Zunächst stelle ich fest: Ich kann damit nichts anfangen. Ich kann damit gar nicht mehr umgehen. Ja, den Tag habe ich genutzt. Man könnte auch sagen: ich habe mich erfolgreich abgelenkt.
Und jetzt? Jetzt stelle ich fest, dass ich überhaupt nicht weiß, wie man freie Abende verbringen kann. Ich gestehe mir ein, dass ich das auch vor meiner Tochter nicht so wirklich wußte. Aber das ist ein anderes, ganz eigenes Thema.

Was mache ich jetzt heute Abend? Nachdem ich endlich meine Einsendeaufgabe einigermaßen zusammengeschrieben habe, sitze ich vorm Fernseher. Und gucke den Eurovision Song Contest. Währenddessen frage ich mich die ganze Zeit, warum ich das eigentlich mache. Weil man das eben macht? Weil meine ganz Twitter-Timeline ausschließlich über den #esc twittert (Ausnahme: @herrlarbig) oder gar nicht anwesend ist? Weil mir nichts besseres einfällt? Aus Gewohnheit? Weil ich das fast jedes Jahr mache? Aus Nostalgie? Schließlich war der Grand Prix Eurovision de la Chanson wie der Eurovision Song Contest mal hieß (die Älteren werden sich noch erinnern) früher ein guter Grund, mal länger aufbleiben zu dürfen. Ja, ich habe es schon geguckt, als Nicole mit „Ein bißchen Frieden“ gewonnen hat. Sogar schon vorher.

Ich gebe zu: Ich habe bei weitem nicht von Anfang an den Fernseher angehabt. Erst saß ich mit dem MacBook auf der Terrasse und habe mich um meine Einsendeaufgabe gekümmert. Zufällig habe ich genau bei den russischen Omis eingeschaltet. Allerdings erst nur hörend. Ich fand es grausam schräg. Und mit jedem weiteren Song habe ich mich mehr gefragt, warum ich das eigentlich anhabe. Kaum ein Song konnte mich überzeugen, irgendwie haben die meisten eher an meinen Nerven gekratzt. Mag auch berufsbedingt sein, dass ich diese Dauerbeschallung durch nicht selbstgewählte Lieder nicht gut vertragen kann. Bei der Arbeit würde ich den DIM-Schalter drücken, weil ich ja nicht weg kann. Hier könnte ich ganz ausschalten und mache es nicht. Wie bescheuert. Das beste am ganzen ESC ist es, das Ganze bei Twitter zu verfolgen.

Ich gebe zu, ich habe rein gar keine Vorstellung, wer da gewinnen könnte. Keines der Lieder hat mich wirklich aufhorchen lassen (doch bei Roman Lob habe ich tatsächlich kurz hochgeguckt – also gwinnt der schon mal nicht). So unterschiedlich die Titel auch sind, irgendwie ist es dennoch alles Einheitsbrei. Und: Das war mir schon lange suspekt, wonach das Publikum da abstimmte. Jetzt läuft gerade der Schnelldurchlauf und ich frage mich, ob ich das Ergebnis noch Live abwarte? Aber ich glaube so weit geht es dann doch nicht. Da geh ich lieber ins Bett. Da weiß ich wenigstens, warum ich es mache.

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