Selbstversuch: Bloggen mit Siri

iPad-Tastatur mit Siri-Mikrofon Dieser Artikel ist ein Versuch. Ein Selbstversuch. Ich versuche ihn komplett mit Apples Spracherkennung Siri zu schreiben. Schafft Siri es schneller, diesen Text aufs Papier, beziehungsweise ins Blog zu bringen, als ich, wenn ich ihn tippe? Schließlich kann Siri mehr als nur im Internet nach dem Wetter suchen, SMS verschicken, twittern, oder auf Befehl Leute anrufen.
Dieser Versuch ist eine spontane Idee. Ich schnappe mir also mein iPad, setze mich hin, und fange an zu diktieren. Wenn ich am iPad schreibe, nehme ich dafür meistens das Programm kWrite. Das bietet auch eine Diktierfunktion für Siri.

Oft habe ich Texte im Kopf, die ich so schnell aber nicht aufschreiben kann. Ich hatte schon als Kind gelernt im zehn Finger System auf der Schreibmaschine zu schreiben, aber dennoch ist die Motorik der Finger oft einfach zu langsam, um den Gedanken zu folgen. Jetzt ist die Frage: geht das mit Siri besser?
Ich weiß, dass ich nicht immer eine lupenreine Aussprache habe, zum Beispiel schmatze ich ziemlich viel. Für mich als Tontechnikerin ein sehr großes Problem, weil ich das immer höre. Hier ist das allerdings anders es geht ja ums Schreiben. Kann Siri das umsetzen und trotz meiner Aussprachefehler die richtigen Worte für mich finden?

Offiziell heißt es, Siri brauche keine genaue Aussprache, sondern erkenne so ziemlich alles. Ich bin gespannt, was hier am Ende steht. Siri rechnet die Worte direkt auf dem Apple Server um, also nicht etwa lokal auf dem iPad (oder iPhone). D.h. unterwegs ohne Netz kann man Siri auch gar nicht benutzen. Ich arbeitete jetzt zu Hause an meinem Schreibtisch und diktiere. Dabei gucke ich auf die Uhr, wie lange es dauert, bis dieser Text fertig ist.

Was ich schnell merke ist, dass sich meine Mikrofonphobie auch hier ausdrückt. Ich spreche sehr zurückhaltend und nicht einfach drauflos. Immer achte ich auf meine Betonungen, sind sie halbwegs richtig? Dabei ist es jedoch gar nicht wichtig. Denn es gibt keine Tonaufnahme. Alles was ich schreibe, landet ja nur im Textprogramm. Ich mache hier schließlich keinen Podcast, sondern einfach einen geschriebenen Artikel.

Es fällt auf: Siri bricht die Aufnahme öfter einmal ab. Anscheinend verliert sie dann die Verbindung zum Server. Das heißt, man muss immer gucken, ob Siri wirklich noch bei der Sache ist. Nicht immer meldet sie sich akustisch ab.

Wenn ich mir jetzt angucke, was aus meinem bisher gesprochenen Text geworden ist, stelle ich ein paar Sachen fest. So erkennt Siri bei mir zum Beispiel oft den Unterschied zwischen dem Wort »es« und dem Wort »ist« nicht. Diese beiden werden öfter verwechselt. Schon deswegen sind also einige Korrekturen am Text notwendig. Aber seien wir mal ehrlich: Wenn man selber schreibt, baut man auch immer Schreibfehler ein, welche hinterher korrigiert werden müssen.
Ja, ich merke, dass Siri an einigen Stellen mit meiner Aussprache Probleme hat. Ob es am Ende länger dauert diese Fehler rauszunehmen und dafür schneller sprechen zu können? Bin ich vielleicht mit dem selber tippen doch schneller? Dann kann ich viele Fehler direkt korrigieren während ich schreibe. Ich weiß es noch nicht. Ich denke, ich werde das noch öfter ausprobieren.

Was fällt mir an mir selber auf?
Als erstes fällt mir – wie schon erwähnt – auf, dass ich mich an das Sprechen gewöhnen muss. Da merke ich meinen Beruf der Tontechnikerin. Sobald ich beim Sprechen zögere, breche ich ab und fange den Satz neu an. Dabei fällt das Zögern im Getippten doch gar nicht auf. Da kann ich also entspannter rangehen.
Außerdem merke ich, dass das mit den Satzzeichen beim Schreiben viel einfacher ist als beim Diktieren. Anführungszeichen, Kommata, andere Satzzeichen – das alles fließt beim Schreiben ganz automatisch in den Text mit ein. Beim Diktieren muss ich mich bewusst daran erinnern. Sonst muss ich hinterher alles nachkorrigieren. Ob das jetzt wirklich eine Arbeitserleichterung ist? Für mich, die noch nie etwas diktiert hat?

Was ich aber noch merke, ist etwas ganz anderes. Meine meisten Blog-Artikel habe ich im Kopf fertig. Bevor ich sie schreibe. Zumindest in groben Zügen. Und genau das ist der Haken. In groben Zügen. Die meisten Texte stehen bei mir im Kopf schon fest. Dann muss ich sie nur noch tippen. Dachte ich bis eben.
Dann kam Siri. Und ich merke, dass ich beim Schreiben noch etwas ganz anderes tue. Ich formuliere um. Das, was in meinem Kopf schon feststand, wird beim Schreiben ausgefeilt. Mit Siri geht das nicht. Da spreche ich einfach das, was ich gerade denke. Wenn ich selbst schreibe, so merke ich jetzt, dass ich automatisch beim Tippen den Satz noch mal überdenke und umschreibe. Mit Siri setze ich da immer wieder neu an und habe halbe Sätze doppelt. Andererseits überarbeite ich auch jeden geschriebenen Artikel hinterher noch einmal. So wie ich das jetzt hier auch machen werden.

Fazit
Im Grunde ist es total einfach, mit Siri zu bloggen. Es ist ein interessanter Versuch, Siri schreiben zu lassen, anstatt es selbst zu tun. Ich merke im Laufe dieses Textes, dass ich immer flüssiger spreche. Das hat einen interessanten Nebeneffekt. Siri versteht mich nämlich besser. Also von wegen deutlich sprechen – nein. Besser nicht. Wenn ich deutlich spreche, zögere ich viel mehr. Anscheinend kann Siri mit flüssiger Sprache besser umgehen, auch wenn die Aussprache selbst nicht ganz so deutlich ist. Gilt zumindest für mich. Am Ende sind noch einige Korrekturen vorzunehmen. Sowohl in der Rechtschreibung als auch im Text selbst. Manche Formulierungen sind mir beim Reden nicht so ganz gelungen, die werde ich jetzt noch mal nacharbeiten. Aber es ist interessant zu sehen, dass Siri tatsächlich mit den Worten, bei denen es an meiner Aussprache in der Deutlichkeit hapert, auch ihre Probleme hat und sie ein bisschen verändert. So könnte ich Siri also auch als Sprachtrainer benutzen.

Gerade für unterwegs denke ich, dass Siri eine gute Möglichkeit ist, um grobe Texte einmal schnell festzuhalten. Das geht auch mit dem iPhone. Vorausgesetzt natürlich, man hat eine Internetverbindung. Ich denke, dass ich Siri in Zukunft öfter nutzen werde um etwas zu schreiben. Wenn mir mal wieder die Gedanken zu schnell durch den Kopf schießen zum Beispiel. Oder wenn ich gerade nur das iPhone in der Hand habe auf dem tippen einfach zu umständlich ist. Mal sehen wie sich das entwickelt und womit ich in Zukunft häufiger blogge. Mit meinen Fingern oder mit Siri.

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