Schlagwort: Werte

Fundstück: Tiere sind keine Geschenke

Katze Zeichnung

Ich habe eben wirklich zufällig etwas wiedergefunden, an das ich in den letzten Tagen oft gedacht habe. Meine Deutsch-Rede aus dem Jahre 1986 zum Thema Tiere als Geschenke unter dem Weihnachtsbaum.

Es war kurz vor Weihnachten und als mein Kurs dazu verdonnert wurde, Reden zu schreiben und vor der versammelten Mannschaft vorzutragen, gab es einfach kein anderes Thema, welches mir in den Sinn kam. Weil es immer noch so passend ist, im folgenden der original Wortlaut (damals selbstverständlich noch in Schönschrift mit der Hand geschrieben)

Liebe Eltern,
liebe Tierfreunde,
liebe Zuhörer!

Es geht wieder einmal auf Weihnachten zu, draußen wird es kalt, die Tage werden kürzer. Vielleicht gibt es dieses Jahr wieder weiße Weihnachten. Diese Jahreszeit hat doch immer wieder etwas Besonderes. Vor allen Dingen für die Kinder ist Weihnachten immer wieder spannend, jedes Jahr sind sie auf’s neue aufgeregt. Meist ist die Vorfreude groß. Angefangen mit dem Adventskalender, dann kommen die Adventssonntage, den Kindern wird ganz deutlich, wie der Heilige Abend Tag für Tag näher rückt. Schließlich steht der Tannenbaum festlich geschmückt im Zimmer. Und plötzlich ist es soweit! Alles wird feierlich, bei vielen wird gesungen, oder es werden Gedichte aufgesagt. Für sehr viele der Kinder liegt das Besondere an Weihnachten in den Geschenken, die sie unter dem Tannenbaum erwarten. Schon lange vorher haben sie den Wunschzettel an den Weihnachtsmann geschrieben. Natürlich hoffen sie alle, daß ihre Wünsche erfüllt werden. Und welche Eltern möchten, als Weihnachtsmann verkleidet, ihren Kindern diese Wünsche nicht erfüllen?

Nun kommt der entscheidende Punkt, meine große Bitte an sie alle, die diese Wunschzettel in den Händen halten und eine Auswahl über die Geschenke treffen. Sehr, sehr oft finden sich auf diesen Wunschzetteln auch Tiere. Lebende Tiere! Weiterlesen

Gehören Kinderfotos ins Internet?

am StrandKürzlich auf Facebook: Ein großes Unternehmen welches Produkte für Kinder anbietet, veranstaltet ein Gewinnspiel. Dafür soll man Fotos seiner Kinder posten. Dieses Unternehmen setzt sich auch für die Bedürfnisse von Familien und Kindern ein. Ich sehe da einen Widerspruch zwischen Gewinnspiel und Firmen-Philosophie und verweise in einem Kommentar auf einen Artikel von Schule und Social Media zum Thema Kinderfotos. Das Unternehmen reagiert gar nicht, aber in einem Kommentar werde ich quasi dafür ausgelacht. Kinder und Recht am eigenen Bild? Das Recht am Bild hat nur der Fotograf und damit die Eltern.

Natürlich hatte ich mit solch einer Antwort von irgendjemandem gerechnet. Natürlich posten die Eltern munter die lustigen Fotos ihrer Kinder, um zu gewinnen. Das war nicht anders zu erwarten.

Das Recht am eigenen Bild ist dabei aus meiner Sicht aber nur ein zweitrangiges, die Probleme liegen noch ganz woanders. Mal ganz ehrlich: Wer von uns kennt das nicht, dass unsere Eltern Fotos von uns als Kindern herumzeigen, die sie süß, witzig oder sonstwas finden und wir die nur ganz schrecklich peinlich finden? Zu denen wir dann sagen: „Mensch Mama (oder Papa), das ist voll peinlich, ich will nicht, dass du das jemandem zeigst.“ Dann klappt man das Fotoalbum zu und versteckt das Bild.

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Es ist wieder #ff

Twitter Timeline #ffJa, heute ist Freitag. Dass es auch noch Freitag der 13. ist, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Hier geht es nur um den Wochentag. Der jede Woche wiederkehrt. Bei Twitter gibt es am Freitag eine Besonderheit. Plötzlich ist die halbe Timeline voll mit #ff. „#ff?“ fragt da manch ein Neuling, was ist das? #ff steht für Follow Friday. Kurz und vereinfacht gesagt, gibt man mit diesem Hashtag an, wen man in der letzetn Woche ganz besonders gern mochte, oder wer einem besonders viele Informationen geliefert hat, oder sonstwas mehr oder eniger bemerkenswertes.

Ich stelle mir jeden Freitag wieder die Frage: Macht der Follow Friday noch Sinn? So inflationär wie er gebraucht wird? Sollte man ihn nicht lieber wieder aufwerten und seltener verwenden? Nur für besondere Anlässe?
Ist es nicht eine viel dauerhaftere Anerkennung eines Followers, wenn man seine Tweets retweetet oder favorisiert? Und zeugt es nicht viel mehr von Sympathie, wenn wir öfter mal dem anderen antworten? Sagen diese drei Dinge nicht viel mehr über die Twitter-Beziehung und den persönlichen Wert des Followers aus, als jeden Freitag x Tweets mit dem Hashtag #ff abzuschicken?

Ich frage mich jeden Freitag wieder, ob ich jetzt z.B. die ganze #SommClique mit einem #ff bedenken soll. Oder was ist, wenn ich nur einzelne herauspicke, mit denen in der Woche etwas mehr los war? Ich mag doch auch niemanden weglassen. Aber: Jede Woche die Gleichen, ist das noch ernst gemeint? Hat das noch Wert? Klar freut man sich, wenn man mit einem #ff bedacht wurde. Das ist die andere Seite. Aber kann man das noch ernst nehmen, wenn es zum Standard wird?
Ich glaube, ich werde mich in Zukunft mehr auf direktes Retweeten, Faven und Antworten verlegen und mir den Follow Friday sorgfältig einteilen. Damit er nicht mehr in der Masse untergeht und nicht Gefahr läuft, bei diversen Twitterern auf der Liste der geblockten Hashtags zu landen, weil er nur noch die Timeline verstopft. Das hat er nicht verdient. Und die Leute, denen man ein #ff schicken möchte erst recht nicht.

Freunde! Freunde??? Definitionen in Zeiten von Facebook

Ich habe mich lange um Facebook gedrückt. Aber nun bin ich da. „Auf“ Facebook. Und plötzlich habe ich Freunde. Viele Freunde.
Gut – im Verhältnis zu vielen, vielen anderen Facebook-Mitgliedern sind das lächerlich wenige. Aber für mich sind das eindeutig zu viele. Zumindest für den Begriff „Freunde“. Im meinem normalen Offline-Leben gehe ich äußerst vorsichtig mit dem Wort „Freunde“ um. Auch im Netleben würde ich es niemals freiwillig so inflationär verwenden, wie Facebook mich dazu nötigt.

Wie viele echte Freunde habe ich eigentlich? Wenige, sehr wenige und verdammt wenige, wenn ich mal meine ganz persönliche Definition für „Freunde“ benutze. Und jetzt plötzlich bekomme ich Freundschaftsanfragen gestellt. Jede Menge für meine Verhältnisse. So viele habe ich im ganzen Leben bisher nicht bekommen. Also ohne Facebook. (Und alles weitere sollte jetzt keiner persönlich nehmen, ich meine das nämlich ganz allgemein und grundsätzlich und auch vorgedanklich theoretisch). Also stehe ich da. Gucke mir die Anfrage an und denke „Ähm ja klar, kenne ich, aber muß ich mit dem jetzt wirklich hier was tun haben? Will ich ständig über das informiert sein, was er/ sie gerade macht?“ Es gibt Leute klar, die kenne ich, oder welche, die kannte ich mal. Aber muß ich mit denen jetzt befreundet sein? Was mich am meisten stört ist dieser Begriff „Freunde“. Aufgezwungen von einem Netzwerk. Mit einer anderen Formulierung wie zum Beispiel „Kontakte“ (natürlich unbrauchbar im Facebook Jargon) würden sich mir bei Anfragen manchmal sicher weniger die Nackenhaare sträuben. „Freund“ ist für mich einfach eine Definition, die hat in einem sozialen Netzwerk nichts zu suchen. Außer, ich tagge jemanden dort freiwillig und aus Gründen mit dem Begriff.

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