Twitter-Clique

Hach ja. Da habe ich mich zur Twitter-Öffentlichkeit durchgerungen. Laber fast nur überflüssiges Zeug vor mich hin, komme kaum dazu, mich mit dem wesentlichen auseinanderzusetzen. Aber ich bin da. Folge. Lese mit. Arbeite interessante Links durch. Ja, Twitter macht Sinn für mich. Zumindest im Form des Folgens.
Meine Follower-Zahl ist relativ überschaubar, solange ich inhaltlich wenig zu bieten habe, ist mir das Recht.

Aber in den letzten Tagen stelle ich fest, dass ich plötzlich Mitglied einer Twitter-Clique bin. Zumindest kommt mir das so vor. Man könnte es die #SoMM-Clique nennen. Bestimmt gefürchtet von allen, die mehreren von uns folgen und nun ständig mit unseren Special-Interest Tweets belästigt werden. Da stehen dann schon mal locker bis zu 10 Namen in einem Tweet. Ein kleiner Mikrokosmos in der großen Zwitscher-Welt.
Ich bin fasziniert. Habe schon einen Antrag an @mons7 gestellt, das doch mal in ihre Twitter-Forschungen aufzunehmen. Sie kann das schließlich so gut.

Man twittert da ein wenig vor sich hin, jammert vielleicht noch über die eine oder andere Aufgabe und plötzlich erhält man jede Menge Antworten zu diesem vermeintlich gänzlich überflüssigen Tweet. Ein munteres Geplapper entsteht, mal die Fernstudenten unter sich, mal ein Teil der Fernlehrer mittendrin. Manchmal auch eine Einzelne als Mittelpunkt des Gesprächs. Und Schwupp-di-wupp ist sie da, die #SoMM Clique.
Ein wenig fühle ich mich direkt an meine Tochter erinnert. Die plappert mit ihren Freundinnen genauso rum. Nur eben auf dem Weg zur Schule, im Hort… Bei Kindern ist das ja noch süß. Aber irgendwie kommt es mir so vor, als würden wir bei Twitter ganz genauso die Köpfe zusammenstecken.

Da frage ich mich manchmal schon, was da gerade abläuft. Gerade, wenn es um Einsendeaufgaben zu den Heften geht. Derzeit absolut Top trending: Einsendeaufgabe von Heft 7. Podcast. Ausgelöst durch @bb_wortgewandt, die ihren ersten öffentlichen Podcast online hat. Wer macht sich welche Sorgen, was muß überhaupt beachtet werden? Ich rede munter mit und weiß doch immer noch nicht, wie die Aufgabe konkret lautet, von der alle reden. Ich bin noch nicht lange genug dabei und mein Besitz erstreckt sich bisher nur bis zum Heft davor.

Bei allem die Frage im Hinterkopf: Wo ist da die Grenze? Wo verrät man vielleicht zuviel? Klar, der Austausch zwischen den Kursteilnehmer(inne)n (es ist doch in erster Linie eine typische Weiber-Clique) ist erwünscht. Plötzlich erweitert sich die Liste meiner Follower um ein paar Follower der anderen. Irgendwie kennt man sich ja.
Aber so manch eine Bemerkung verkneif ich mir dann doch. Das allerdings vor allem, wenn es um nicht-kursbezogene Dinge geht. Da merke ich dann doch, dass ich öffentlich nicht das twittere, was ich in realer Gesellschaft zu meinem Gegenüber sagen würde. Ja, es gibt Grenzen. Zumal ich mich manchmal frage, ob ich überhaupt ein Recht habe, mich da an dieser Stelle einzumischen. Ja, sicher, wer öffentlich twittert muß auch mit Reaktionen von jedem rechnen. Dennoch.

Spannend mittendrin zu sein, in diesem Wirrwarr von parallelen Bemerkungen, die dann wieder zu einem Ganzen zusammenfließen, Tweets die nur Andeutungen enthalten, durch viele unterschiedliche Reaktionen plötzlich verständlich werden. Man kümmert sich schon umeinander, hilft sich, unterstützt sich. Am Rande finden dann noch Einzelgespräche statt, durch die gute Vernetzung natürlich auch wieder vor den Augen aller. Nichts davon hatte ich geplant, als ich mich bei Twitter anfing zu outen. Gut, ich gebe zu, ich verhalte mich da ohnehin nicht wie ich es mir gewünscht hatte. Da kann ich also auch neben dem großen Ganzen auch noch in einem Mikrokosmos agieren. Das macht nebenbei nämlich irgendwie Spaß. Kostet nur etwas Schlaf, denn die Uhrzeit zu der sich das Ganze abspielt, tendiert doch eher in Richtung Nacht.
Ja, und wenn dann nach (wenigen) intensiven Tagen plötzlich Ruhe einkehrt, da fragt man sich schon, ob bei den anderen alles in Ordnung ist, ob es ihnen auch gut geht. Dabei haben wir alle doch ein komplettes Leben. Von dem Twitter nur ein Teil ist und an manchen Tagen hat man viel Zeit für das eine, an anderen Tagen sind eben andere Dinge wichtiger. Für jeden andere.

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